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Fashion Life Hack: Wie ich meine Lieblings-Kleidungsstücke kreiere

Heute werde ich mal ein kleines Geheimnis los. Doch drehen wir die Zeit vorher mal um etwa 10-12 Jahre zurück. Bereits mit 11 oder 12 Jahren hat mir meine Oma ein wenig das nähen beigebracht. Ich habe einige Oberteile genäht, bestickt und gefärbt. Von außen sahen die Sachen ganz hübsch aus, innen wiederum nicht sehr professionell, haha. Die Jahre darauf habe ich mal mehr und mal weniger selbst genäht, aber ständig gekaufte Teile umgenäht, abgeschnitten, gefärbt, Farbspritzer draufgemacht oder Ähnliches. Mir hat es einfach so viel Freude bereitet, Kleidungsstücke zu verändern, sodass sie ganz perfekt für mich sind. Manchmal hieß das, nur die Jeans abzuschneiden (Hosen sind mir zu 95% zu lang), manchmal habe ich ein Teil auch nur dunkler gefärbt oder aus einem Kleid ein Top gemacht. Manchmal war es auch aufwendiger. Mit 15 habe ich mir ein Ballkleid (Black Swan) genäht und etwa 300 Federn (ich weiß bis jetzt nicht, ob das echte Federn waren :-O) draufgestickt. Das war so viel Arbeit. Jedenfalls herrschte immer Chaos in meinem Zimmer. Immer! Mit etwa 20 habe ich dann wieder viel intensiver genäht und ein Jahr lang einen Nähkurs besucht. 
Auch wenn ich nun mit 23 nur noch sehr selten nähe, färbe und allzu wilde Sachen mit meiner Kleidung anstelle, wie 100 kleine Löcher in ein Shirt reinzuschneiden, damit es die ideale Used Optik bekommt, verändere ich meine Neuzugänge doch regelmäßig.

Warum ich euch das erzähle? Ganz einfach. Auf diese Weise habe ich schon viele Lieblingsteile gefunden. Ich will euch dazu ermutigen, in dem Teil, das ihr in einem Shop seht, nicht nur zu sehen, was es ist, sondern was es werden könnte. 

Vielleicht kennt ihr die folgende Situation: Oh, diese Jeans ist perfekt! Aber sie ist mir irgendwie an den Oberschnekeln zu weit. Aber ansonsten ist sie perfekt: Qualität, Preis, fairer Brand, Details und irgendwie ist keine andere richtig gute Option in Sicht. Tja, dann nimm sie, zahle 10€ beim Schneider und lass sie dir ein wenig enger nähen. Oder du findest die fast perfekte Übergangsjacke in einem pastell-rosa, die du schon ewig suchst und zwar im Secondhandshop für nur 12€. Das Problem: die Knöpfe sind knallpink mit Strasssteinen und die Jacke ist zu lang. Was tun? Hängen lassen? Oder du lässt sie dir von deiner Oma kürzen und machst dich auf die Suche nach den perfekten Knöpfen, die du entweder am Flohmarkt, bei einem Nähbedarf-Shop oder in einem Knopf-Onlineshop findest und die nähst du dann selber an. Die Beispielliste ist endlos. Worauf ich hinaus will, ist, dass manchmal eine Kleinigkeit nicht passt und obwohl das Teil ansonsten Lieblingsteil-Potenzial hat, lassen wir es hängen, weil uns die Vorstellungskraft fehlt, wie leicht man es verändern kann. Manchmal müsste vielleicht auch mehr verändert werden und auch diese Änderungen sind möglich und vielleicht nicht mal teuer. 

Ich verändere, färbe, sticke zwar nicht mehr so wild wie noch vor ein paar Jahren, aber das Gespür dafür, ob ein Teil vom Stoff her perfekt ist und nur ein, zwei Sachen geändert werden müssten, sodass es für mich zum Lieblingsteil wird, habe ich nach wie vor. Und natürlich habe ich auch einige Lieblingsteile, die schon von Anfang an ganz perfekt für mich waren und gar keine Änderung notwendig war.

Ausmist-Tipp

Noch eine wichtige Sache: auch beim ausmisten könnt ihr euch immer überlegen, ob ihr noch etwas aus dem Teil machen könnt, damit ihr euch neu in das Kleidungsstück verliebt. Ihr habt eine lange Jeans, die ihr gar nicht mehr tragt, braucht aber ganz dringend eine Shorts? Wie wär’s mit abschneiden? Und färben? So einfach ist das manchmal!

Vorher

Darf ich vorstellen: Eine etwas unspektakuläre und doch große Änderung habe ich an dieser Hose und diesem Pulli von We Bandits vorgenommen. Eine Hose wie diese hier, nur viel lockerer und aus fließendem Stoff suche ich schon EWIG in diversen Fair Fashion-Shops und Secondhand. Immer erfolglos. Dann habe ich folgende Hose und auch diesen wunderbaren Baumwoll-Pulli bei einem Fair Fashion-Shop in Wien entdeckt. Die Hose war zu groß und unten weit statt eng. Man hätte also sagen können, dass das so gar nicht das ist, wonach ich gesucht habe. Der Pulli hatte solche weiten Ärmel, was ich so gar nicht mag. Ansonsten war er aber super. Ich habe mir also vorgestellt, dass nicht viele Änderungen und wenig Geld notwendig sind, um beides so zu verändern, wie ich es mir vorstelle und hab es gekauft.

Nachher

Ich habe 10€ beim Schneider für’s kürzen der Hose ausgegeben. Enger genäht habe ich sie selbst. Auch die Ärmel des Pullis habe ich selbst enger genäht und tadaaaa, beides ist anders und doch ähnlich zu vorher und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis!

Ein Paradebeispiel ist auch diese faire Jeans von Mud Jeans. Ich habe sie euch vermutlich schon in 50 Outfits gezeigt und die Liebe wird nicht weniger sondern eher mehr! Die Hose war mir zu lang (das ist ja immer so) und unten auch irgendwie zu weit. Ich habe sie ab unterhalb des Knies bis zum Knöchel ein wenig enger genäht (nur wenige Zentimeter) und sie einfach abgeschnitten. Die Fransen geben der Jeans sogar das gewisse etwas, findet ihr nicht? Die genaue Anleitung für Löcher und Farbspritzer hatte ich euch hier mal zusammengeschrieben. Denn auch die habe ich rein gemacht und deshalb ist sie zu einem Unikat geworden, das ich besonders liebe.

Ein anderes Beispiel: Ihr wisst, dass ich jahrelang nach einem Vintage Burberry-Trenchcoat gesucht habe. Dann habe ich diesen hier in Berlin gefunden. Vieeel zu lang, aber ansonsten tiptop. Klar, dass ich ihn mitnehme und kürzen lasse, oder?

 

Auch wenn ich alles andere als eine professionelle Schneiderin bin, kann ich doch einige Basics mit der Nähmaschine und dadurch ist dieses Umändern der Kleidungsstücke vielleicht für mich ein wenig einfacher. Vielleicht kannst du aber viel besser nähen, setzt dein Talent aber viel zu selten ein? Oder deine Mama/Oma ändert dir gerne das ein oder andere Stück um?
Ansonsten gibt’s natürlich noch den Schneider. Ich hoffe es kam rüber, was mir wichtig war. Wenn ihr ein wunderschönes faires Stück seht, das halt nur zu 90% perfekt ist, überlegt euch doch, ob ihr die letzten 10% selber hinkriegt. 
Üben kann man ja auch erstmal mit ganz günstigen Secondhand-Teilen oder noch besser Teilen, die man aussortieren würde.

 

PS: Und nein natürlich verändere ich nicht jedes Teil! Vor allem bei Outfitpostings mache ich es nicht so häufig, denn ihr wollt ja auch sehen, wie die Teile „tatsächlich ausschauen“. 
Wenn ich etwas verändere, werde ich es aber zukünftig immer zu den Outfit-Details bei den Outfit-Beiträgen dazu schreiben. Dann kennt ihr euch aus!

PPS: Wie ist das bei euch? Ist herumschnibbeln/Schneider/kürzen/färben oder Ähnliches eh ganz normal für euch oder verändert ihr gekaufte Teile überhaupt nicht?

 

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