Eco, Fact Friday

#FactFriday: Nachhaltig Grillen

Die Grill-Saison ist bald in vollem Gange! Deshalb gibt es nun haufenweise Tipps und Infos für euch, damit ihr euer Grill-Erlebnis so nachhaltig wie möglich gestalten könnt. Denn aktuell sieht das deutsche Grillvergnügen alles andere als umweltfreundlich aus. Abgesehen von all den Mengen an Fleisch und Wurst, die auf den Grill geworfen werden, werden in Deutschland während der Grillsaison etwa 250.000 Tonnen Grillkohle und Briketts aus Holz verbraucht. Unabhängige Tests und Recherchen von ARD, WWF und Ökotest belegen, dass vieles davon aus fragwürdigen/illegalen Rodungen in den Tropenwäldern Südamerikas stammt. Oder aber osteuropäische Buchenwälder (Polen, Litauen) müssen daran glauben. Im Endeffekt importieren wir 98% der Holzkohle. Wahnsinn, oder?

„Schätzungen zu Folge werden in Deutschland pro Saison 2000 Fußballfelder Regenwald verheizt.“

Gut zu wissen: Für den Aufdruck Made in Germany muss die Kohle lediglich in Deutschland verpackt werden und/oder mit heimischen Restabfällen vermischt werden. Das ist zwar einerseits Verbrauchertäuschung, jedoch liegt es letztendlich an uns Konsument*innen genauer hinzusehen.

 

So geht nachhaltiges Grillen!

Ich teile nun all die Infos aus meinen Recherchen mit euch. Ich habe, so gut es geht, gebündelt und versucht, so übersichtlich wie möglich zu gliedern. Viel Spaß beim Lesen!

 

Wichtiger als der Grill selbst ist, was du grillst!

Obwohl ich weiß, wie umweltschädlich Fleisch ist, hätte ich das hier nicht vermutet: „95 Prozent der klimarelevanten Emissionen durch das Grillen werden durch das Grillgut verursacht.“ Das hat eine Ökobilanz-Studie des TÜV Rheinland ergeben. Welchen Griller du verwendest, ist also tatsächlich zweitrangig, auch dann, wenn man den kompletten Lebenszyklus mit einrechnet, das heißt von der Herstellung des Grills, über den Transport bis hin zum Recycling.

Wichtiger ist, was du grillst. Und das sollte im besten Fall regionales Bio-Gemüse, Obst und Tofu/Seitan sein. Sonst nichts. Und keine Sorge! Langweilig wird dir mit Gemüse nicht. Dazu kommt bald ein ausführlicher Beitrag mit vielen Rezepten! Wenn es unbedingt Fleisch sein muss, dann liegt auf der Hand, dass es wenig, regional und bio sein sollte.

Zur Erinnerung kommt hier die CO2-Bilanz einiger Lebensmittel:

1kg Rindfleisch = 13-30kg CO2 (1kg Rindfleisch aus Südamerika liegt (für uns) jedoch bei etwa 50kg)
1kg Käse = 9-13kg CO2
1kg Tofu = 1-2kg CO2 (oder weniger, wenn regionaler Bio-Anbau)
1kg Gemüse = 0,2kg CO2 (oder weniger, wenn regionaler Bio-Anbau)

 

Welcher Grill ist am umweltfreundlichsten?

Zuerst einmal stellt sich die Frage, ob man überhaupt einen eigenen Grill braucht. Rein theoretisch nicht. Man könnte einen mit Freunden/Familie/Nachbarn teilen oder öffentliche Grillplätze nutzen. Oder gar nicht grillen! Wenn es doch ein eigener Grill sein muss, sollte es ein Secondhand-Teil oder ein nachhaltiges, hochwertiges Gerät sein, das wirklich lange hält.

Aber welcher Grill soll es nun werden? Gasgrill? Holzkohlegrill?

Wie gesagt kommt es letztendlich nur zu einem verschwindend geringen Prozentsatz darauf an, welchen Grill man nutzt. Viel wichtiger ist, was man grillt. Laut TÜV schneiden jedoch Einweg-Grill und Holzkohle-Grill am schlechtesten ab. Besser wären Gas- oder Elektrogrills. Laut Untersuchungen des TÜV hat der, mit Ökostrom betriebene, Elektrogrill die niedrigsten Auswirkungen auf die Umwelt. Mittlerweile erfreuen sich auch Solargrills immer größerer Beliebtheit!

Secondhand oder nachhaltig-neu!

Alex und ich haben hin und her überlegt und uns letztendlich für einen Holzkohle-Grill entschieden. Diesen haben wir secondhand über Willhaben gekauft. Ich empfehle euch, ebenfalls secondhand nach einem Grill Ausschau zu halten. 

Wenn du einen neuen Grill kaufen möchtest, achte darauf, dass er bestenfalls Made in Germany ist und (überwiegend) aus nachhaltigen, regionalen Rohstoffen gefertigt wurde. Er sollte außerdem sehr robust und hochwertig verarbeitet sein. Anlaufstellen für deine Suche nach einem nachhaltigen Grill sind Manufactum oder biber. Oder schau dich einfach im Baumarkt/Grillfachgeschäft deines Vertrauens um und lass dich dort beraten.

Besonders toll finde ich den Knister Grill. Das ist ein Mini-Grill, den man sogar auf’s Fahrrad spannen kann und somit ideal für Grillspaß in Parks oder bei Freunden geeignet ist. Die Produktion des Knister-Grills erfolgt ausschließlich in Deutschland aus nachhaltigen, regionalen Materialien. Das Teil ist so hübsch und soll sehr langlebig sein! 

 

Was du über Holzkohle wissen musst

Wie weiter oben erwähnt, importieren wir etwa 98% unserer Holzkohle. Vieles davon stammt aus illegalen Rodungen in Südamerika und richtet großen Schaden in seinen Herkunftsländern an. Korruption und kriminelle Netzwerke sind fester Bestandteil des Handels mit Kohle. Nur weil in Deutschland verpackt wird, darf Made in Germany aufgedruckt sein. Hier ist Vorsicht geboten. Es liegt natürlich auf der Hand, dass wir eine solche Holzkohle keinesfalls kaufen dürfen, da sie in direktem Zusammenhang mit Ausbeutung, Umweltverschmutzung und hohen CO2-Emissionen steht. Die Holzkohle, die man kauft, sollte FSC-, PEFC- oder Naturland- zertifiziert sein. Leider kann man sich jedoch auf die gängigen Gütesiegel nicht 100% verlassen, wie Recherchen des WWF und ARD ergeben. Außerdem ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Kohle kein Pech, Koks (!), Erdöl oder Kunststoffe enthält. Das DIN-Prüfzeichen (DIN EN 1860-2) stellt sicher, dass keiner dieser Stoffe enthalten ist.

– Nero Grillkohle

Dieser Anbieter erscheint mir besonders seriös! Nero Grillkohle nutzt nur Holz aus deutschen Wäldern, die Naturland-zertifiziert sind. Hier sind eine nachhaltige Bewirtschaftung und Aufforstung selbstverständlich. Nero ist übrigens die weltweit erste bio-zertifizierte Holzkohle. Preis pro Kilogramm: 2,59€

Du findest die Kohle beispielsweise bei Denn’s, basic und BioCompany.

In 64% der Holzkohle steckt Tropenholz!

Nun stecke ich jedoch in einem Dilemma bezüglich dem Umwelt-Aspekt zertifizierter, regionaler Holzkohle. Gehen wir jetzt mal von wirklich heimischer Holzkohle aus, die tatsächlich aus Deutschland kommt.
Denn dazu habe ich sehr widersprüchliche Informationen aus vertrauenswürdigen Quellen gefunden. Einerseits wird klar von Holzkohle abgeraten, auch wenn sie regional und zertifiziert ist, da Bäume einfach unheimlich langsam wachsen.
Andererseits nimmt der Baum im Laufe seines Lebens angeblich mehr CO2 auf, als bei Herstellung und Verpackung der Kohle emittiert wird und somit wirkt sich Holzkohle laut TÜV positiv auf die Emissions-Bilanz einer Grillerei aus. 
Ich persönlich bin eher contra Holzkohle eingestellt und für die weiter unten aufgeführten Alternativen.

 

Alternativen zu Holzkohle aus natürlichen Abfällen von Mais, Oliven, Weinreben und Kokosnuss

Mittlerweile gibt es einige spannende Alternativen zu Holzkohle, die aus natürlichen Abfällen gewonnen werden. Diese Alternativen sind logischerweise etwas höherpreisig als billigste Holzkohle aus illegalen Rodungen. Das sollte uns die Sache aber wert sein! Außerdem ist die Brenndauer überdurchschnittlich lang und es muss weniger Material eingesetzt werden.

– Maister & Grillmais 

Die beiden Anbieter Maister und Grillmais stehen für Upcycling at it’s best. Denn hier werden die Maisspindeln (das innere eines Maiskolbens), die ein Abfallprodukt der Kornmaisernte sind, getrocknet. Grillmais unterstützt Projekte zur Ernährungssicherung im Norden Burkinas. Maister ist mir einen Ticken sympathischer, weil die gesamte Produktion in Deutschland erfolgt. Bei Grillmais findet jene zum Teil in Italien statt. Dementsprechend ist Maister aber auch deutlich teurer. Preis pro Kilogramm: 1,33€ bei Grillmais und 3,50€ bei Maister.

– Kokoko 

Kokoko betreibt Upcycling mit Kokosnusschalen. Diese werden nämlich, im Gegensatz zu Fruchtfleisch und Fruchtwasser, oft nicht gebraucht. Kokoko macht aus dem Abfallprodukt Briketts und unterstützt nebenbei kleine Bauern und Familien. Preis pro Kilogramm: 2,50€

– OlioBrick 

Für die Brickets von OlioBrick werden Kerne, Schalen und Fruchtfleischreste – kurz gesagt Oliventrester – ausgepresst, wie Holz verkohlt, dann mit Wasser und Stärke vermischt und zu Briketts gepresst. Der Oliventrester, der verwendet wird, sind Rückstände aus der Olivenölproduktion verschiedenster Kleinbauern aus Griechenland. Preis pro Kilogramm: 2,57€

– RebenGlut

RebenGlut besteht aus Knorzen, aus dem bis zu 35 Jahre altem Stammholz der Weinrebe. Knorzen sind gesäuberte Rebenabschnitte, die zugeschnitten und getrocknet wurden. RebenGlut ist also ein recyceltes Naturprodukt aus den Weinbergen. Preis pro Kilogramm: 1,00€

Bambuskohle ist ebenfalls sehr beliebt, jedoch eigentlich nicht empfehlenswert, da sie bis zu 1000 Grad Celsius heiß wird und das viele Secondhand-Griller gar nicht aushalten.

Mir persönlich sind Maister, RebenGlut und OlioBrick am sympathischsten. Ihr könnt in einem Grillfachgeschäft Ausschau halten, bevor ihr online bestellt.

All diese Alternativen entwickeln, meinen Recherchen nach, übrigens keinen Rauch wenn bspw. Fett in die Glut tropft. Grill-Schalen kann man sich also theoretisch sparen. Außerdem spannend: Man kann die Asche hervorragend zum düngen verwenden. 

 

Feinstaubbelastung bei Holzkohlegrills

Nun kommt aber noch ein fettes Contra für Grills, die mit Kohle befeuert werden. Laut dem Umweltbundesamt findet beim Grillen mit Holzkohle eine Schadstoffentwicklung (PAK, Feinstaub, CO, CO2) statt. Das Umwelbundesamt empfiehlt daher besser auf Elektrogrills umzusteigen. Falls es ein Kohlegrill sein muss, sollte mit ausreichend Luftzufuhr und geeignetem Anzünder darauf geachtet werden, dass keine (starke) Rauchentwicklung stattfindet. Außerdem sollte nur bei sehr guter Belüftung gegrillt werden. 

 

Grillanzünder ohne Kerosin einfach selber machen

Statt chemische Anzünder zu nutzen, die weder gut für die Gesundheit, noch für die Umwelt sind, kann man eine Technik nutzen, mit der man sich den Anzünder sparen kann. Sie wird Chilenische Methode genannt. Dazu stellt eine z.B. eine Glasflasche in die Mitte des Grillers, wo die Kohlen platziert werden. Dann faltet altes Papier (Zeitungen, …) in Bahnen zusammen und wickelt die Flasche so damit ein, dass sie umschlungen ist, aber noch nach oben herausgezogen werden kann (nicht allzu eng also). Dann stapelt die Kohlen ringsum auf, sodass die Kohlen an der Flasche (bzw. dem Papier) am höchsten sind. Ihr habt also jetzt eine kleine Kohlepyramide mit einer Flasche in der Mitte im Griller stehen. Dann zieht die Flasche nach oben heraus. Macht euch jetzt nochmal eine gefaltete Zeitungsbahn bereit, zündet diese an und verwendet sie, um den Papierring weiter unten im Griller anzuzünden, sodass das ganze Papier schön brennt. So geht das erhitzen wirklich schnell, günstig und einfach.

Alternativ kann man ökologische Grillanzünder kaufen.

 

Mehrweg statt Einweg

Dass Mehrweg-Produkte, die immer und immer wieder zum Einsatz kommen, nachhaltiger sind als das Einweg-Pendant ist klar wie Kloßbrühe. Denn der immense Aufwand bei der Produktion und die damit verbundene Ressourcenverschwendung stehen in keiner Relation zur kurzen Benutzungsdauer.
Edelstahl-Spieße, die Jahrzehnte halten, Metallgemüsekörbe oder Römertöpfe statt Aluschalen, normales Geschirr statt Einweg-Geschirr, Edelstahl-Besteck statt Einweg-Besteck, und vieles mehr sind deutlich besser als Einweg-Produkte. Einweg-Griller sind natürlich das größte No-Go von allen und wirklich nicht notwendig. Einweg-Grills werden Gott sei Dank immer häufiger verboten!
Alufolie oder Aluschalen braucht echt kein Mensch. Alternativen sind gusseiserne Grillpfannen, Steine, Gemüsekörbe aus Metall, Spieße und Römertöpfe, oder aber man lässt sie, wenn möglich, ganz weg. Wer kreativ werden will, kann Gerichte in Mais-, Kohl-, oder Rhabarberblätter einwickeln. Außerdem kann man Grillkartoffeln auch direkt in die Glut legen. Probiert’s mal aus!

 

 


Quellen:

Umweltbundesamt: Grillen

Ökobilanz von TÜV Rheinland

Nachhaltig Sein: Nachhaltig Grillen – Eine Ökobilanz mit Tipps

Nero Grillkohle: Endlich mit Bio-Zertifizierung grillen

 

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2 Comments

  • Reply Lydia 11. Mai 2020 at 9:25 am

    Danke für den tollen Artikel. Ich habe bei meiner Suche noch die „Alpenkohle“ gefunden. Laut eigener Angabe ist das ein kleines Tiroler Start-up und die Rohstoffe stammen aus der Region. Ich habe sie selbst noch nicht ausprobiert, aber man erhält sie z.B. bei Interspar.
    Liebe Grüße

  • Reply Christina 2. Mai 2020 at 5:49 pm

    Das ist ein sehr interessanter Artikel. Ich verbinde Grillen seit meiner Kindheit nur mit negativem, eben Fleischbergen und dem fürchterlichen Gestank nach verbrannten Körpern. Natürlich ist mir klar, dass man auch anderes grillen kann, aber für mich ist das grundsätzlich einfach so negativ asoziiert, dass ich es einfach nie wollte.

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