Brainfood, Eco, Fact Friday

#FactFriday: Milchindustrie

Fact Friday – ein bisschen Bildung am Freitag // Was ist eigentlich Kuhmilch? Vereinfacht gesagt ist es ein Wachstumsbeschleuniger für Kälbchen, damit diese schnell groß und stark werden. So wie menschliche Mütter Milch geben, sobald ein Baby auf die Welt gekommen ist, geben auch tierische Mütter Milch. Genau wie Kühe. Der Begriff „Milchkuh“ ist also völlig abstrus. Er lässt den/die unaufgeklärte*n Konsument*in denken, dass dieses spezielle Lebewesen einfach so Milch gibt. Dem ist natürlich nicht so. Eine „Milchkuh“ wird einfach nur immer und immer wieder geschwängert, damit sie dann wiederum anfängt Milch zu geben, sobald das Kälbchen auf der Welt ist. Je nach Betrieb wird das Kälbchen der Mutter nach wenigen Tagen oder Wochen weggenommen. Die Milch der Kuh wird also nur sehr kurz an das Kälbchen verfüttert. Danach wird die Milch abgezapft, damit wir Menschen sie trinken können. Das Kälbchen lebt im Normalfall fortan ganz alleine auf wenigen Quadratmetern. 

Das System Milch: Schon lange ist Milch kein idyllischees Bauernprodukt mehr, sondern Ergebnis einer profitgierigen Industrie

Die weiblichen Kälber gehen meist in die Zucht. Die männliche Kälbchen werden zum Großteil für die Fleischproduktion gepäppelt und wenige Jahre später getötet. Manche werden jedoch bereits in den ersten drei Lebensmonaten umgebracht, weil sie schlicht ein Abfallprodukt der Milchindustrie sind. Bis zu 200.000 Kälber, so schätzen Experten und Tierschützer, verenden in den ersten drei Lebensmonaten oder werden getötet“, schreibt welt.de.

„Der Mensch ist das einzige Lebewesen, das die Muttermilch einer anderen Spezies zu sich nimmt.“

Die Milchindustrie hat ganze Arbeit geleistet. Wenn wir Kühe googeln (aka auf Ecosia eingeben) oder an eine Kuh denken, sehen wir im Normalfall eine glückliche Kuh, friedlich auf einer großen Weide grasend. Die Sonne strahlt. Die Realität der Kühe sieht im Normalfall ganz anders aus. Sie stehen im Stall und das das ganze Jahr hinweg auf winzigem Raum. Im schlimmsten Fall sind sie nicht nur auf kleinem (oftmals dunklem und verdreckten) Raum, sondern auch noch in der Anbindehaltung (noch immer erlaubt!). Ihr Leben lang.

Auf Hochleistung gezüchtet

Schauen wir uns einmal einen Milchbetrieb in Deutschland an, der 750 Milchkühe beherbergt aka gegen ihren Willen schwängert und gefangen hält. Damit die Kühe nicht nur acht Liter Milch pro Tag geben – das ist in etwa die Menge, die ein Kalb trinken würde – sondern 30-40 Liter Milch produzieren, werden die Kühe nicht nur mit Gras, sondern auch mit Getreide und Soja gefüttert. Eigentlich werden Kühe locker 20 Jahre alt, doch die Hochleistungskühe „schwächeln“ – aka produzieren nicht mehr so viel Milch, wie erwünscht – bereits früher, weil sie so oft kalben und so viel Milch herstellen müssen, zudem nicht leben, wie es artgerecht wäre. Nach etwa fünf Jahren werden sie deshalb ausrangiert und geschlachtet.
Viele Vegetarier*innen (mich früher eingeschlossen) denken, dass ihre Lebensweise nicht den Tod impliziert. Doch das tut sie. Käse, Milch und Eier sehen genauso für Tod und Tierleid, wie die Fleischproduktion. Wobei hierfür natürlich noch deutlich mehr Tiere sterben müssen.

Klimasünde Milch, Joghurt und Käse

Das gerade erwähnte Getreide und Soja (oft genmanipulierter Mais, genmanipuliertes Soja), das an die Kühe verfüttert wird, stammt in konventionellen Milchbetrieben oft aus Südamerika, weil es dort besonders billig angebaut wird. Das wird als Schattenfutterfläche bezeichnet. Dafür musste zuvor der Regenwald abgeholzt werden, was schlicht ein ökologisches Desaster ist. Der Amazonas produziert 20% unseres gesamten Sauerstoffs und birgt eine gigantisch große Artenvielfalt. Durch die Rodungen wird die Klimakrise und das Artensterben weiter vorangetrieben. Ots.at schreibt: „Das Soja aus Übersee ist nicht nur häufig gentechnisch verändert, sondern verursacht auch Regenwaldzerstörung. Allein Österreich importiert jährlich um die 500.000 Tonnen Soja, davon sind mindestens 350.000 Tonnen gentechnisch verändert.“ Ein Teil davon wird für die Fütterung von Kühen verwendet.

Auf einen Liter Milch kommen drei Liter Gülle

Ein weiteres riesengroßes Problem sind die Mengen an Gülle, die täglich in Fleisch- und Milchbetrieben produziert werden. Allein der oben erwähnte Milchbetrieb in Deutschland produziert mit 750 Kühen 70.000 Liter Gülle pro Tag. Diese Gülle ist durch die Fütterung von genmanipuliertem Getreide, Soja und Medikamenten (Antibiotika!) ein Giftcocktail für die Umwelt. Der Kot der Tiere belastet unsere Wiesen, Felder, Flüsse, Seen und schließlich die Ozeane enorm. Mehr dazu in den Dokus Das System Milch, Cowspiracy und What The Health. Sehr empfehlenswert!

Methan & Lachgas

Methan: Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstanden von 2000 bis 2009 29% der menschengemachten Methan-Emissionen. Erschreckenderweise wird durch Viehhaltung fast genauso viel Methan erzeugt. Das geschieht vor allem durch die Verdauung der Rinder. Methan ist fürs Klima umgerechnet etwa 23x schädlicher als CO2.

Lachgas: Die Landwirtschaft ist mit 59% mit Abstand der größte Verursacher von Lachgas-Emissionen. Lachgas (N2O), auch Distickstoffmonoxid genannt, wird vor allem beim Düngen freigesetzt: Sowohl Gülle, Mist wie auch industriell hergestellter Dünger enthalten Stickstoff. Wenn dann diese stickstoffhaltigen Verbindungen abgebaut werden entsteht Lachgas, welches in die Atmosphäre entweicht. Doch auch Gärreste aus Biogasanlagen, die chemische Industrie und das Verbrennen fossiler Brennstoffe setzen Lachgas frei. Lachgas ist unfassbar viel schädlicher als CO2. Verrückt!

Immer wieder werden Artikel mit „Klimakiller Kuh“ betitelt. Die Kuh ist kein Klimakiller. Der Mensch ist der, der den Klimawandel mit der Massentierhaltung, dem Kohlestrom, der Vielfliegerei, usw. vorantreibt.

In Deutschland ist ein Kalb durchschnittlich nur noch 8,49€ wert.

Immer wieder machen Schreckensmeldungen die Runde. „Thüringen: Rinder in ihren eigenen Exkrementen und eingesperrte Kälber.“, „Vernachlässigte Rinder beim Bauern nebenan“ u.Ä. Immer mal wieder hört man von Misshandlungen mit Eisenstangen, Stöcken und Co, als wäre es die Ausnahme. Abgesehen davon, dass die meisten Kühe in winzigen Ställen ihr Dasein fristen, werden viele misshandelt und gequält. Manche leben tagein, tagaus in ihren eigenen Fäkalien und interessieren tut das niemanden. Das sind keine Einzelfälle, nur gelangt es einfach selten an die Öffentlichkeit. Elektroschocker, Ohrmarkenzange und Enthornungsgeräte Co sind leider sowieso Gang und Gebe.

Ist bio besser?

Den Tieren geht es besser. Das ist klar. Dass sie ganzjährig auf einer wunderschönen Wiese stehen, entspricht aber auch bei Bio-Standards meist nicht der Realität. Besser ist also, dass die Haltung angenehmer ist, die Tiere kein genmanipuliertes Getreide, für das der Regenwald herhalten musste, zu fressen bekommen und dass weniger Antibiotikum verabreicht wird. In Sachen Klimabilanz schneidet die Bio-Milch aber nicht so viel besser ab, wobei ökologische Betriebe bewiesenermaßen nur etwa die Hälfte an Energie, verglichen mit konventionellen Bettrieben, verbrauchen. Die Kühe leben länger, pupsen dementsprechend länger und futtern mehr, wodurch wiederum mehr Kot entsteht, usw. 
Genauso wie die konventionelle Kuh, wird die Bio-Kuh künstlich befruchtet und muss jährlich kalben. Auch die Bio-Kühe werden von ihrem Kalb getrennt und nach erledigtem Job auf die Schlachtbank geführt. Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir einen Schluck Bio-Heumilch schlürfen.

Und dann gibt’s natürlich noch sehr wenige, kleine Betriebe, bei denen die Kühe (nicht 700, sondern eher 50) tatsächlich so leben, wie wir es uns vorstellen: Auf der Weide mit viel Platz. Diese ernähren sich dann nur (oder überwiegend) von Heu und Gras und haben ein „schönes“ Leben. Diese Betriebe waren früher normal, sind aber heute leider die Seltenheit bzw. die Ausnahme. Wir verbrauchen einfach zu viel Milch und wollen zu wenig dafür bezahlen, als dass alle Betriebe so funktionieren könnten, wie ein solcher „Bilderbuchbetrieb“.

Also ja, Bio-Milchprodukte sind besser, als konventionelle, aber alles andere als gut. Mit dem gigantischen Aufwand, den man für Milch betreibt, könnte man unheimlich viel Gemüse und Getreide mit deutlich kleinerer Klimabilanz, weniger Ressourcenverbrauch und somit weniger entstehenden Emissionen anbauen.

Macht Milch starke Knochen?

Die Milchindustrie ließ uns durch Werbung und Co nicht nur glauben, dass es den Kühen, die uns mit Milch versorgen, gut geht, sondern pflanzte auch in unsere Köpfe, dass Milch gesund sei. Dem ist nicht so. Milch ist für den Menschen schwer verdaulich, eben weil sie von vornherein gar nicht für unseren Körper gemacht wurde. Etwa 3/4 aller Menschen weltweit sind laktoseintolerant. Ihnen fehlt Laktase, also jenes Enzym, das Laktose im Körper verarbeiten kann. Auch wurde und wird immer und immer wieder damit geworben, dass Milch starke Knochen macht, dass uns das enthaltene Kalzium stark mache. Mittlerweile ist klar, dass das Gegenteil der Fall ist. Es gibt beispielsweise deutlich weniger Osteoporsefälle in jenen Ländern, in denen Menschen vergleichsweise wenig Milch zu sich nehmen. Diese Thematik ist zwar stark umsttritten, aber mit Sicherheit kann man sagen, dass unsere Knochen keinesfalls Milch brauchen, um stark zu werden. Die vielen tierischen Proteine in der Milch können im menschlichen Körper zu Übersäuerung führen und von Übersäuerung wiederum wissen wir, dass sie Ursache diverser Krankheiten, wie Allergien, Entzündungen, uvm. sein kann. Deshalb ist es ja so wichtig, sich überwiegend basisch zu ernähren. Beim Thema Übersäuerung lässt sich auch nochmal eine Brücke zurück zu der Knochendichte schlagen. Um die zugeführten Säuren zu neutralisieren, braucht der Körper nämlich wiederum Kalzium, was er dann aus den Knochen entnehmen muss. Spannende Sache! Ich persönlich bin völlig überzeugt, dass die Milch einer anderen Spezies nicht für unseren Körper gedacht ist und uns mehr schadet, als nutzt. Zum Thema Knochengesundheit kann ich euch das Buch Vegan Klischee Ade empfehlen. Wir trinken übrigens pro Kopf pro Jahr durchschnittlich etwa 70 Liter Milch. Damit sind die Deutschen an der Weltspitze. 

Fazit

Tierische Produkten bedeuten ein irrsinniger Wasserverbrauch (für den immensen Futteranbau wird unvorstellbar viel Wasser verbraucht. Außerdem trinken die Tiere riesige Mengen) und ein hoher CO2 Ausstoß. Eine Person, die sich vegan ernährt, spart pro Jahr bis zu zwei Tonnen CO2. Das ist sehr viel. Heutzutage können wir uns den „Luxus“ tierischer Produkte nicht mehr leisten. Kuhmilch steht für Leid, Massen an Gülle, unfassbare Ressourcenverschwendung, Abholzungen des Regenwaldes und letztendlich den Tod der Kühe. 

Milch wird als Produkt kaum mehr wertgeschätzt. Die Preise werden seitens der Molkereien immer mehr gedrückt. Viele Bauern und Bäuerinnen stehen vor dem Nichts, weil die Kosten vorne und hinten nicht gedeckt werden. Ohne Subventionen könnten die meisten nicht überleben. 

Das Geschäft mit der Milch ist für alle Seiten – für’s Klima, für die Bäuer*innen, die Tiere und unsere Gesundheit – ein schlechtes.

Was wir dagegen tun können?

Ganz einfach! Auf Milch- und Käseprodukte verzichten und das immense Angebot an pflanzlichen Alternativen nutzen. Es kann sein, dass du kurz brauchst, bis du dich daran gewöhnst, dass pflanzliche Milch ganz anders schmeckt. Aber schon bald findest du es absurd, dass du jemals Kuh- oder Ziegenmilch getrunken hast. Vegane Milchsorten schmecken sehr unterschiedlich. Mit ein wenig Geduld findet man bald die für sich ideale Sorte. Alternativ kannst du pflanzliche Milch auch einfach selber machen. Mittlerweile gibt es viele köstliche, vegane Käsealternativen. Ich war früher ein echter Käse- und Milchjunkie. Und ich kann euch versichern: Ich vermisse nix davon. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Außerdem fühlt es sich gut und richtig an auf ein Produkt, das nur aufgrund von Leid, Tod und Umweltverschmutzung existieren kann, zu verzichten.

 

Quellen

Dokus:

What The Health

Das System Milch

Cowspiracy

Artikel:

200.000 männliche Kälber werden jedes Jahr illegal getötet – welt.de

Klimakiller Ernährung: Warum wir es uns heutzutage nicht mehr leisten können Fleisch zu essen und Milch zu trinken 

OTS: Greenpeace fordert rasche Reduktion von Sojaimporten aus Übersee

 

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1 Comment

  • Reply ruth 11. Juli 2020 at 6:59 pm

    Sehr gut recherchiert. Ich bin absolut deiner Meinung. Ruth

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