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Wilde Hagebutten ernten – alles, was du wissen musst

Während wir ab Februar Waldspaziergänge mit Bärlauch pflücken verbinden, im Sommer Beeren von den Sträuchern naschen, wenn wir in Wäldern und auf Wiesen unterwegs sind, ist es im Herbst die Hagebutte, die wir liebend gerne ernten. Wir haben einen Weg entdeckt, der gesäumt ist von einer ganzen Armada von Hagebuttensträuchern. Dort pflücken wir die prächtigen, roten Früchtchen. Zuhause trocknen wir sie und füllen sie dann entweder direkt ab, um Tee daraus zu bereiten oder mixen die getrockneten Früchte und verarbeiten sie zu Pulver. Die Natur beschenkt uns mit solch kostbaren Wildkräutern, Früchten und Co. Das dürfen und sollten wir ausnutzen, wie ich finde. Denn es macht Freude, ist Zero Waste, gratis, regional verfügbar, wild gewachsen und dazu gedacht, Mensch und Tier mit einer geballten Power an wertvollen Vitaminen zu versorgen. Im Beitrag erkläre ich natürlich auch, was du aus den gepflückten Hagebutten machen kannst.

Was genau sind Hagebutten überhaupt?

Sie sind die Scheinfrüchte heimischer (Wild-)Rosenarten. Sie kommen in unterschiedlichen Farben und Formen vor. Manche sind dunkelrot, andere rötlich, wieder andere eher orange. Sie können kugelrund, oder auch eher länglich sein.

Sind Hagebutten gesund?

Oh ja! Die knallroten Früchtchen, die in unseren Wäldern und an Wegesrändern wachsen, wirken fast unscheinbar, sind aber wahre Powerbeeren. Hagebutte ist der (heimische) Hit, wenn du dein Immunsystem boosten willst. Sie wird Zitrone des Nordens genannt. Nicht ohne Grund: In Hagebutten steckt bis zu 30x so viel Vitamin C wie in einer Zitrone. Bei 100g Zitrone liegt der Vitamin C-Wert bei etwa 53mg. Bei 100g Hagebutte sind es 400-1500mg. Verrückt, oder? Sie stärkt die Abwehrkräfte, wirkt fiebersenkend und beugt Erkältungen vor. Obwohl alle Welt von Vitamin C spricht und jeder weiß, dass es wichtig ist und dass ein Mangel an Vitamin C mit vielen Krankheiten verbunden ist, nehmen trotzdem viele Menschen zu wenig Vitamin C zu sich. Das Vitamin C, das in Hagebutten steckt, ist das in der besten bioverfügbaren Form. Unser Körper kann es mühelos verwerten. Vitamin C wirkt entzündungshemmend, stärkt unsere weißen Blutkörperchen, unterstützt unsere Abwehrkräfte gegen Viren, Bakterien und unerwünschte Pilze. Hagebutten unterstützen abseits davon auch bei Harnwegsinfektionen (noch besser als Cranberries!), Magen-Darm-Beschwerden (dank der enthaltenen Gerbstoffe) und helfen bei der Heilung von Hautstörungen. Die Hagebutte steckt nicht nur voller Vitamin C, sondern ist auch vollgepackt mit unterschiedlichsten Antioxidantien und wirkt daher noch entzündungshemmender.

Im Beitrag über 10 Power-Lebensmittel, die dein Immunsystem stärken habe ich bereits die sekundären Pflanzenstoffe angesprochen, die so manchem Obst und Gemüse zur knalligen Farbe verhelfen. Bei Hagebutten ist es der Pflanzenstoff Lycopin. Er sorgt für die knallrote Farbe und ist als starkes Antioxidant bekannt. Ebenfalls entzündungshemmend wirkt der sekundäre Pflanzenstoff Galaktolipid. Dieser sitzt in Schale und Kernen.

In Hagebutten steckt aber nicht nur Vitamin C, sondern auch B-Vitamine, Eisen, Betakarotin und Vitamin K.

Wo finde ich Hagebutten?

In Wäldern, an Wegesrändern, an Wiesenrändern. Die Seite mundraub.org kann dir außerdem behilflich sein. Pflücke nicht an Straßenrändern, da diese Hagebutten mit Feinstaub belastet sind.

Woran erkenne ich, ob ich eine Hagebutte ernten kann?

Wenn du sie zuhause trocknen magst, dann solltest du vor allem auf die noch festen Hagebutten zurückgreifen. Nicht auf die, die schon weich sind, denn weiche Hagebutten verlieren nach und nach ihren Vitamin C Gehalt. Ernte also leuchtende, feste Früchte.

Was muss ich beim ernten beachten?

Die Sträucher sind ziemlich stachelig. Achte also darauf, dass du vorsichtig pflückst, bzw. dir Kleidung anziehst, die etwas robuster ist. Bring dir einen Behälter mit und genieße das ernten. Es macht total viel Freude! Wichtig: Nicht einen ganzen Strauch leer ernten. Lass immer noch etwas zurück. Pflücke nicht direkt an der Straße.

Wann ist die ideale Sammelzeit für Hagebutten?

Von September bis Dezember können Hagebutten geerntet werden. Oft hört man, dass man bis nach dem ersten Frost warten soll. Das ist nicht unbedingt notwendig. Jedoch schmecken sie danach intensiver. Die Hagebutten eines Strauches sind nie alle gleichzeitig reif. Man kann also immer mal wieder beim Strauch vorbeischauen.

Wann ist der ideale Ernte-Zeitpunkt?

Je nach Sorte sind die Früchtchen zu unterschiedlichen Zeiten reif. Wichtig ist, dass ihr die Hagebutten an einem sonnigen, trockenen Tag erntet. Dann ist der Vitamin C Gehalt höher.

Kann ich Hagebutten auch roh essen?

Jein. Ein Teil der Hagebutte lässt sich roh verspeisen. Beim pflücken erwischt du bestimmt auch hin und wieder weiche Früchte. Aus diesen kannst du dann vorsichtig ein wenig Mus herausquetschen. Direkt naschen. Wichtig: Nicht die Kerne essen. Das Mus ist sozusagen ein Vitamin-C-Power aus der „Naturtube“. Soo lecker! Ich bin total begeistert davon!

Was kann ich aus den gepflückten Hagebutten machen?

Marmelade, Likör, Mus, Gebäck, Saft, Tee oder Pulver! Besonders beliebt ist Hagebutten-Marmelade. Die mache ich jedoch nicht, weil ich erstens den Geschmack nicht so gerne mag und zweitens der Großteil des wertvollen Vitamin C-Gehalts flöten geht. Ich zerkleinere die Hagebutten grob, trockne sie und nutze die getrockneten Hagebutten um daraus Tee zu machen oder gebe sie in den Hochleistungsmixer. Somit entsteht ein wertvolles Hagebutten-Pulver, das sich perfekt als Zusatz für Smoothies und Co eignet. Alles Zero Waste, regional und mehr als bio, nämlich wild gewachsen.

Wie trockne ich die Hagebutten am besten? / Wie mache ich Hagebuttentee oder Hagebuttenpulver?

Es gibt drei Möglichkeiten: Du kannst den Stiel entfernen und sie einfach ganz trocknen lassen. Das dauert recht lange. Zweitens kannst du den Stiel entfernen und die Hagebutte mit dem Messer grob zerkleinern. Somit trocknen die Stücke schneller. Dritte Möglichkeit: Hagebutten waschen, halbieren, Kerne und Stiele entfernen. Nochmal gut abwaschen um die Härchen zu entfernen. 
Die Meinungen gehen auseinander, wie man Hagebutten am besten trocknet. Manche trocknen sie auch anders, je nachdem ob sie Tee oder Pulver daraus zubereiten. Das ist letztendlich Geschmackssache. Trocknen lassen sich die Hagebutten am besten draußen in der Herbstsonne, drinnen auf der Heizung oder im Dörrgerät bei höchstens 40 Grad.

Übrigens ist das natürlich auch einfach Geschmackssache. Manche mögen den Tee aus den Schalen einfach lieber als den, der auch die Kerne enthält.

Tee: Bei der Zubereitung des Tees ist es wichtig, dass du die getrockneten Hagebutten in kochendes Wasser gibst. Am besten durch ein Tuch abseien, damit du keine feinen Härchen oder Kerne mit trinkst. Die sind nicht giftig oder so, aber können den Hals reizen. Dieser Schritt fällt weg, wenn du die Hagebutten ohne Kerne getrocknet hast. 

Pulver: Packe die getrockneten Hagebutten in den Mixer und mixe sie fein. Siebe das Pulver nochmal durch, falls du sie mit Kernen getrocknet hast, damit keine allzu großen Kern-Stücke im Pulver sind.

Was mache ich aus den Kernen?

Wenn du beispielsweise Marmelade machst, bleiben Kerne übrig. Diese kannst du waschen, trocknen (siehe oben) und über Nacht in 500ml Wasser einweichen lassen. Am nächsten Tag erhitzen, 20 Minuten ziehen lassen und trinken. Hilft bei Blasenbeschwerden und wirkt entgiftend! In den Kernen steckt Kieselsäure und Vanillin. Das Hagebutten-Öl, das in der Naturkosmetik sehr beliebt ist, wird übrigens auch aus den Kernen gewonnen.

 

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