Brainfood, Fact Friday

#FactFriday: Klimakiller Internet

[Ein bisschen Bildung am Freitag] Wenn wir über die Klimakrise sprechen und darüber, was wir als Individuum dagegen tun können, dann geht’s vor allem um: Pflanzliche Ernährung, Mehrweg statt Einweg nutzen, bewusst konsumieren, faire Ökokleidung oder Secondhand statt Fast Fashion kaufen, regionale Produkte statt welche von weit weg, weniger fliegen und stattdessen den Zug nutzen, uvm. Doch über’s Internet reden wir viel zu wenig. Wir verteilen via Instagram die tollsten Nachhaltigkeits-Ratschläge und vergessen dabei, dass das Internet ein Energieriese ist und digitale Medien einen Einfluss auf das Klima haben. Doch was soll das nun genau heißen: Klimakiller Internet? Wie genau killt denn das Internet das Klima? Eigentlich gar nicht. Das tun vor allem wir als Nutzer.

„Wäre das Internet ein Land auf unserem Planeten, dann hätte es den sechstgrößten Stromverbrauch.“

Warum? Weil jedes Mal, wenn wir etwas bei Google oder Ecosia eingeben, wenn wir ein Youtube Video anschauen oder eine Website öffnen, irgendwo auf dieser Welt, Rechner auf Hochtouren laufen, um unsere Anfragen zu bearbeiten. Allein die Server in den Google-Datenzentren verbrauchen so viel Watt, dass man mit deren Energie Städte mit mehreren 100.000 Einwohnern versorgen kann. Der größte Energiefresser ist jedoch mit Abstand das Streamen von Serien, Filmen und Co.

„416 Terrawatt Strom wurde geschätzt von allen weltweiten Rechenzentren im Jahr 2015 verbraucht. Das entspricht 2% der globalen CO2 Emissionen und ist so viel wie ganz Australien im Jahr 2015 emittierte oder der gesamte Flugverkehr im Jahr 2018 ausmachte.“

Klingt gar nicht so viel? Ist es aber! Und bis 2040 sollen diese 2% (andere Quellen sprechen bereits von 3,7% und 4%) auf 14% steigen. Digitalisierung lässt grüßen. Übrigens stehen in den USA die meisten Rechenzentren. Etwa 44%. Die meiste Energie geht dafür drauf, die Server zu kühlen, damit sie nicht heiß laufen.

Klar, es wäre absurd zu sagen, dass wir alle das Internet nicht mehr nutzen dürfen. Mit diesem Beitrag will ich ganz einfach nur darauf aufmerksam machen, dass alles was wir im Internet tun, vor allem wie viele Videoinhalte wir streamen, nicht gratis ist. Irgendwer zahlt die Rechnung, und das ist unsere Erde. 

Was mich ziemlich erschüttert hat ist der Schaden, der durch das Onlinebezahlsystem Bitcoin entsteht. Eine einzige Überweisung verursacht 270kg umweltschädliches Kohlendioxid. Durch den Gebrauch von Bitcoin wurden im Jahr 2017 ganze 69 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Wenn sich dieser Wachstumstrend verstärkt, sorgen allein die dadurch verursachten CO2 Emissionen dafür, dass wir den Planeten bis zum Jahr 2035 um zwei Grad erhitzen. Sehr erschreckend. (!!!!)

„Der weltweite Email-Verkehr erzeugt genauso viele CO2 Emissionen wie 7 Millionen Autos.“

Verrückt, oder?

Ich will, dass wir im Hinterkopf behalten, dass das, was wir tun, einfach immer eine Konsequenz hat. Nicht nur Fleisch essen und fliegen, sondern auch binge watchen, Emails schreiben, Youtube Videos schauen, die Cloud nutzen und Stories schauen. Ich weiß, dass es schwierig ist, überhaupt zu begreifen, dass virtuelle Dienste wie die iCloud, WeTransfer und Co ihren Teil zur Klimaerwärmung beitragen. Oder dass ein kleines Ding, wie ein Smartphone und dahinter stehende unsichtbare Infrastrukturen einen solchen Schaden nach sich ziehen können. Umso wichtiger, dass wir sie nur wenn wirklich nötig nutzen und generell bewusst konsumieren. Binge watching aka Serien streamen ohne Ende während man eigentlich was anderes macht, muss nicht sein, oder? 5 Stunden am Tag Stories gucken muss ebenfalls nicht sein, oder?

„2 Stunden Netflix pro Tag in höchster Bildqualität verursacht auf’s Jahr gerechnet 6.570 kg CO2 und schrumpft somit das arktische Sommermeereis um 20m2.“

Wenn ich überlege, wie viel allein meine Familie und ich genetflixt haben in den letzten Jahren wird mir ganz schlecht. Dieser digitale Überkonsum ist der Klimakiller, von dem ich sprach. Und nein, ich schaffe es bisher noch nicht, komplett auf Netflix und Co zu verzichten. Vor einiger Zeit habe ich bereits aufgehört, ständig zu streamen, weil mir meine Zeit dafür einfach zu schade ist. Und nun reduziere ich, dem Klima zu Liebe, eben noch weiter. Aber klar, das Internet ist natürlich auch immens wichtig für uns und bietet so viele Möglichkeiten. All das, was ich durch Online-Artikel und Co schon gelernt habe, will ich nicht mehr missen. Dafür werde ich es weiterhin nutzen. Klaro! Nur eben noch bewusster.

„Overall online videos emit 300 Million tonnes of carbon each year and a third of this comes from streaming videos with pornographic content.“

Crazy!

Was können wir tun, um den Energieriesen Internet in Schach zu halten?

Auf Ökostrom umstellen und ganz einfach auch in Sachen Social Media, Netflix und Co: bewusster konsumieren. Weniger Zeit auf Social Media verbringen. Handyfreie Tage einlegen. Mehr offline als online tun. Weniger smart-TV, smart-xy, mehr offline. Wir brauchen nicht alles in smart. Mal ein Buch lesen statt Serien schauen bis zum umfallen. Was noch geht: Statt Filme online auszuleihen oder zu kaufen in einen DVD Verleih gehen und den Film dort ausleihen und dann („wie früher“) im DVD Player schauen. Anderen von den Auswirkungen des hohen digitalen Konsums berichten. Aufklären. Weitersagen. Vorleben.

Stundenlanges Scrollen auf Facebook und Co muss als das gesehen werden, was es ist: Zeitverschwendung. Weniger Screen Time hilft auch der Ökobilanz!

Lasst uns (ich weiß, ich wiederhole mich haha) das Internet bewusst nutzen. Sinnvoll nutzen und öfter mal ein Digital Detox einlegen, der nicht nur uns, sondern eben auch dem Planeten gut tut.

Indirekte Auswirkungen: Herstellung, Stromverbrauch, Entsorgung

Noch dazu kommt natürlich der immense Stromverbrauch der Geräte. Laptop, Handy und Co, das muss alles aufgeladen werden und das meist täglich. Die Produktion ist auch ein relevanter Faktor. Stichwort: Secondhand-Option nutzen und Smartphones, TVs, Tablets und Co so lange wie möglich nutzen und besser reparieren lassen, als ein neues kaufen (Stichwort: Elektroschrott). Was hilft: Die Geräte nur so lange an der Steckdose lassen, bis sie aufgeladen sind und nicht noch weitere Stunden oder gar über Nacht stecken lassen. Und: Natürlich Ökostrom nutzen.

 

Wie immer gilt: SPREAD THE WORD! Ich freue mich, wenn du diesen Artikel mit deiner Familie und deinen Freunden teilst. Gemeinsam können wir so viel bewirken!

 


Quellen:

Das Klimabuch von Esther Gonstalla

Klimakiller Internet: Wie schädlich ist die Digitalisierung für den Planeten

 

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8 Comments

  • Reply Ilsemarie 16. August 2019 at 6:18 pm

    Liebe Justine,
    vielen Dank für Dein „ Wachrütteln „
    Mich würde allerdings mal interessieren ob es besser ist wenn man Newsletter von verschiedenen Firmen bekommt oder
    wenn die Firmen ihre Werbung mit der Post schicken.
    Ich selber bin dankbar für die vielen Informationen die ich bekommen kann aber
    ich nutze mein online mit bedacht.
    Viele Grüße
    Ilsemarie

    • Reply Justine 22. August 2019 at 11:13 am

      Hi liebe Ilsemarie, danke dir für dein Feedback 🙂
      Ohje, da bin ich leider überfragt. Am besten: So wenig wie möglich Newsletter abonnieren und alles andere abbestellen. Liebe Grüße, Justine

  • Reply Melanie 16. August 2019 at 4:04 pm

    Alles gut und schön und ich lebe eh nach dem Motto, das jeder einzelne etwas verändern kann. Nichts desto trotz bekomme ich momentan immer öfter mit, wie wir uns alle gegenseitig zerfleischen. Ich persönlich habe relativ wenig dafür getan diesen Planeten zu zerstören. Ich esse seit über 20 Jahren kein Fleisch, fahre nie Auto, habe nicht mal einen Führerschein. Geflogen bin ich, ja ,aber immer nur ins Ausland und auch immer für länger, nicht mal eben zum shoppen nach Paris. Innerdeutsch noch nie geflogen, benutze keine Produkte die an Tieren gestestet wurden usw. Bei Mode und Plastik gibt es Optimierungspotential, das gebe ich zu, wobei ich mich da immer an meine Politiklehrer in der Mittelstufe erinnere, der auch vor mehr als 20 Jahren schon gegen die überflüssigen Verpackungen gewettert hat. Aber was man auch nicht vergessen darf ist, dass die großen Unternehmen und ein großer Teil von uns schmeißt diesen Unternehmen tagtäglich immer noch Geld in den Rachen einen immensen Beitrag leisten, diesen Planeten zu zerstören. Da wird die Aumerksamkeit komsicherweise nie darauf gelenkt. Stichwort Müll. Plastikmüll hieß es mal, lässt sich recyceln, also erfand man den gelben Sack und den grünen Punkt. Dann stellte sich irgendwann heraus, es geht doch nicht alles, höchstens 20 %. Also was geschieht mit dem Rest? Verbrennen? Ich meine woher kommen denn die Massen an Plastik in die Meere? Das sind wohl kaum Touristen oder Anwohner die ihren Müll ins Meer schmeißen, sondern ich denke das wird im großen Stil wo auch immer hin verschachert und die fahren dann raus aufs Mer und laden es ab.

    Stichwort Mode. Ich habe als Kosument echt keine Lust mehr, sei es Kleidung oder Kosmetik oder Putzmittel oder was auch immer mich andauernd zu informieren, ob da alles bei der Produktion mit rechten Dingen zugeht. Gestern habe ich erst gelesen, dass auch Body Shop Mikroplastik in den Produkten hat.Body Shop mit seinen zig Projekten! Ist es zuviel verlangt einfach mal in einen Laden zu gehen und ein korrektes Produkt zu kaufen, dass nicht umweltschädlich ist oder wo Mensch und /oder Tier ausgebeutet wurden? Von dem Lifestyle der vermeintlichen Reichen und Schönen fange ich gar nicht erst an. Aber schaut doch nur mal wieviele Follower zb. die Kardashians haben. Meiner Meinung nach ist diese Welt nicht zu retten. Klar mache ich so weiter und versuche eben einige Dinge noch zu optimieren, aber wenn ich halt die Leute beobachte, wie sie in den Geschäften umherrennen und wie die Bekloppten bei Amazon bestellen, habe ich wenig Hoffnung ehrlich gesagt. Ich denke dieser Selbstoptimierungswahn und das wir somit eigentlich immer mehr zu Egoisten werden, tut sein übriges.

  • Reply Georgia 16. August 2019 at 10:36 am

    Toller Beitrag, danke!
    Weisst du, wie viele Emissionen eine DVD herzustellen verursacht? Wäre dies vergleichsweise weniger? Oder wäre es einfach nur besser, wann man sich diese ausleiht?

    • Reply Justine 16. August 2019 at 10:44 am

      Das weiß ich leider gar nicht! Ausleihen ist aber bestimmt besser als streamen 🙂

  • Reply Christopher 16. August 2019 at 10:18 am

    Es gibt so viele Themen für die wir Welle machen müssen. Wie wärs wenn wir für CO2 neutrale Energie streiten würden? Auch wenn eure Hintergedanken gutmenschlich sind, ist es dieser Weg nicht. All die Themen, die die Welt gerade zerstören. Welche? Richtig, durchs Internet können wir uns Informieren, können wir uns vernetzen. Vielleicht streiten wir dafür, dass wir es endlich nutzen.
    Aber vorzüglich sehe ich haltlosen hate. Anstatt Dinge, Themen, Sachen schlecht zu machen – warum nicht vielfach das Streuen, was wir brauchen. How to be human. Das was sich Menschen ausdenken, was wichtig ist für die Gute Welt, kommuniziert Es direkt. Sucht nicht die Schuldigen Dinge. Menschen treiben.

  • Reply Eugenia 16. August 2019 at 9:54 am

    Wow, vielen Dank für diesen immens wertvollen Beitrag! Wie du so schön am Anfrang schreibst macht man sich über so viele Dinge bereits Gedanken und spricht darüber. Aspekt Internet hatte ich als Klimabelastung noch so gar nicht wahrgenommen.
    Wie du, sehe ich die meisten Aktivitäten im Internet auch als relativen Zeitraub und lese lieber ein Buch, gehe zum Sport oder einfach raus an die Luft als Serienjunk zu betreiben. Allerdings sitze ich im Job auch den ganzen Arbeitstag vor dem Computer und nahezu 100 % der Arbeit läuft über Onlinedienste.

    Den Artikel teile ich natürlich gerne. Auch wenn das natürlich auch wieder online passiert, aber wenigstens so findet dann die Nutzung des Internets einen gewissen Mehrwert auch für die Natur 🙂

    • Reply Justine 22. August 2019 at 11:11 am

      Danke dir Eugenia für dein Feedback 🙂 Klasse, dass du das auch so handhabst!! Liebe Grüße, Justine

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