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#FactFriday: Umweltsünde Silvester – Feinstaubbelastung, Ausbeutung, Kinderarbeit

Die Böllerei an Silvester ist schon lange keine schöne Tradition mehr, sondern steht für Lärm, Umweltverschmutzung, verängstigte Wild- und Haustiere, verschiedenste Verletzungen und eine irrsinnige Geldverschwendung. 

1. Herstellung von Feuerwerkskörpern

Jedes Jahr sterben aufs neue dutzende Menschen in Feuerwerksfabriken in Indien, Mexiko und Co, weil irgendwas in die Luft fliegt. Natürlich gelangen nur die größten Unglücke, die man nicht vertuschen kann, an die Öffentlichkeit und werden von den Medien verbreitet. Aber ehrlich, wen interessierts? Diese Meldungen landen jedes Jahr in unseren Zeitungen. Weniger Feuerwerkskörper werden deshalb leider nicht gekauft.
In China und Indien werden 97% aller Feuerwerkskörper hergestellt. In der Stadt Liuyang in China befindet sich mit 1700 Fabriken der größte Fabrikant. Jeder neunte Angestellte leidet dort an Asthma oder Tuberkulose. Das ist der Fall, da die Arbeiter*innen ständig in Kontakt mit chemischen Sustanzen wie Schwefel, Schwarz- und Aluminium-Pulver kommen.

„Sie haben keine Fingernägel mehr. Ihre Hände sind verätzt. Arme und Gesicht sind von Brandnarben gezeichnet. Laut des Kinderhilfsordens Don Bosco stellen Kinder in der südindischen Stadt Sivakasi Raketen, Böller und Wunderkerzen her.“ (taz)

In Indien arbeiten 70.000 Kinder ab fünf Jahren in der Feuerwerksindustrie.

Zehnjährige arbeiten bereits 12-13 Stunden pro Tag.

Ich in meiner Bubble habe überhaupt nicht gecheckt WIE groß das Business mit Feuerwerkskörpern ist. Wenn alleine in Deutschland nur zu Silvester 100-150 Millionen ausgegeben werden, kann man sich aber ausrechnen, wie es in anderen Teilen der Welt aussieht. Und ganz ehrlich, wen wundert’s? Menschen werden für die Herstellung unserer Kleidung, unseres Schmucks unserer Möbel und unserer Elektronik ausgebeutet, Giften ausgesetzt. Natürlich auch für die Herstellung der Böller und Wunderkerzen, die wir für Silvester kaufen. 

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Denn laut der Hilfsorganisation Jungend eine Welt verlieren zumindest immer wieder Betriebe ihre Zulassung, weil Kinder unter 14 Jahren bei Kontrollen angetroffen wurden. Die Kinderarbeit ist zurückgegangen, findet im Verborgenen aber nach wie vor statt.

Made in Germany: Es gibt einen Hersteller, der Feuerwerkskörper in Deutschland herstellt. Weco produziert einen Teil seiner Feuerwerkskörper in D. Ein unnötiges, umweltschädliches Produkt bleibt es. Auch wenn dahinter bessere Arbeitsbedingungen bzw. automatisierte Prozesse stehen.

2. Feinstaubbelastung an Silvester

In Deutschland werden über Silvester 4.500 Tonnen Feinstaub freigesetzt. Das sind etwa 15,5% der Menge, die das ganze Jahr über durch den Straßenverkehr freigesetzt werden. Also irrsinnig viel. Je nachdem, ob es am 1.1 des Jahres windig ist, verteilen sich die Schadstoffe unterschiedlich schnell. Im Großen und Ganzen sind sie aber einen Tag später kaum mehr nachweisbar.

Das Herz der Raketen sind die pyrotechnischen Sätze. Die bestehen circa zu 75 Prozent aus Kaliumnitrat, 15 Prozent Holzkohle, 10 Prozent Schwefel“, erklärt Günter Klein-Sommer, Chemiker und Pyrotechniker, in seinem Vortrag über die Chemie der Pyrotechnik an der Universität Köln. „Je nach erwünschtem Effekt werden noch andere Komponenten hinzugefügt – wie Kupfer-, Barium- oder Strontiumverbindungen. Die färben das Feuerwerk blau, grün oder rot. Alles Chemikalien, die mit viel Energie produziert werden, nur um dann wieder zu verpuffen – so die Kritik der Feuerwerksgegner.“ – DW

3. Viele Tonnen Müll

Die Feinstaubbelastung ist das eine, der immense Müll, der entsteht und teilweise auf Feldern landet – von dort die Chemikalien ins Grundwasser spült – oder in Flüssen treibt und dann wiederum ins Meer gespült wird, das andere. In Deutschland entstehen an Silvester allein durch die Feuerwerkskörper etwa 80 Tonnen Müll. Sondermüll. Die Feuerwerkskörper bestehen zum Großteil aus Papier und Plastik, aber auch aus anderen Stoffen: „Schwarzpulver, bestehend aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel, sowie Strontium-, Kupfer- und Bariumverbindungen für schöne Farben. Im Chemielabor muss so etwas als Sondermüll behandelt werden.“ schreibt The OGNC.

 

Was wir tun können?

Keine Böller, Wunderkerzen und schon gar keine Raketen kaufen. All die Infos an Familie und Freunde weitertragen. Aufklären!

 

 


Quellen:

Umweltbundesamt: Dicke Luft zum Jahreswechsel

Utopia: Feuerwerkskörper: Fabriken Brennen, Kinder arbeiten und wir sind taub

DW: Silvester in Staub und Braus

The OGNC: Dicke Luft an Silvester

 

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1 Comment

  • Reply Helen 29. Dezember 2019 at 8:29 am

    Ich hoffe auch, dass ein Umdenken stattfindet. Ich selbst brauche weder Lärm noch Feuerwerk, aber wer meint, er müsse das Jahr irgendwie begrüßen oder das alte verabschieden, der soll das doch einfach mit Tröten o.ä. tun. Ich bin gespannt, ob nach dem Jahr 2019, in dem Umwelt und Klima omnipräsent waren, dieses Silvester weniger geknallt wird. Ich bezweifle es. Bei uns werden schon seit gestern regelmäßig Knaller gezündet.

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