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#HealthTalk: Durchfall oder Blähungen bei Topinambur? Ich sag euch, warum!

Das ist nun schon der zweite Beitrag, der das Wort „Durchfall“ im Titel hat. Find ich irgendwie lustig! Aber mal im Ernst. Immer wenn ich irgendwas über Topinambur (ein wirklich kööööstliches, aber unscheinbar aussehendes Winter-Gemüse) schreibe, bekomme ich auch solche Nachrichten: „Als ich Topinambur gegessen habe, hatte ich Blähungen.“ oder „Letzte Woche, als ich Topinambur gegessen habe, hab ich Durchfall bekommen.“ Das hat einen guten Grund.

Aber bevor ich tiefer einsteige in dieses Thema, möchte ich auch gleich vornweg sagen, dass Topinambur irrsinnig gesund ist und unbedingt Teil unseres winterlich-regionalen-Speiseplans sein sollte. Topinambur versorgt uns mit wertvollen Präbiotika. Dazu gleich mehr. Und: Nicht jeder reagiert so stark oder überhaupt auf Topinambur. Also, keeeine Sorge!

Warum manche Menschen auf Topinambur mit Bauchweh, Durchfall oder Blähungen reagieren

Topinambur ist eine echte Nährstoffbombe und versorgt uns mit Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin B3, Vitamin B6, Vitamin C, Kieselsäure, Kalium, Eisen, Beta Karotin, essentiellen Aminosäuren und auch mit Inulin (Achtung, nicht Insulin) und vielem mehr. Der Ballaststoffgehalt von Topinambur ist extrem hoch. Kommen wir nochmal zurück zum Inulin. Das ist ein löslicher Ballaststoff mit präbiotischer Wirkung. Deshalb kann er bei Durchfall und Darmproblemen hilfreich sein, aber für Menschen, die diese präbiotische Wirkung durch das Inulin gar nicht gewohnt sind oder deren Darm es vielleicht nicht gut geht, kann es eben auch zu Durchfall oder Bauchweh führen. That’s it.

Was sind Ballaststoffe?

Stopp, halt. Ok, ok ich rudere nochmal zurück. Denn was genau sind eigentlich Ballaststoffe? Tausend mal gehört, keiner kann’s erklären. Here we go:

Ballaststoffe sind ein wichtiger Bestandteil jeder ausgewogenen Ernährung. Sie kommen in pflanzlichen Lebensmitteln vor und sind für den Körper weitestgehend unverdaulich, werden also „einfach so“ wieder ausgeschieden, sind aber trotzdem irrsinnig wertvoll für uns. Ballaststoffe sind sozusagen Quell- und Füllstoffe und können deshalb Wasser an sich binden. Dadurch nimmt das Stuhlvolumen zu und die Darmtätigkeit wird auf positive Weise angeregt. Außerdem wird der Stuhl lockerer und erleichtert uns die Ausscheidung (haha wie das klingt, ist aber halt einfach so). Ballaststoffe sind auch deshalb immens wichtig für unseren Organismus, weil sie zu einer gesunden Darmflora beitragen. Ballaststoffe sind Nahrungsgrundlage für die dort angesiedelten guten Darmbakterien. Ein gesunder Darm ist das a und o für einen gesunden Körper, weshalb eine gesunde Darmflora in direktem Zusammenhang mit der Prävention von diversen Krankheiten steht. Abgesehen davon werden Ballaststoffe in positiver Verbindung mit dem Blutzuckerspiegel und dem Cholesterinspiegel gebracht.

Man unterscheidet zwischen löslichen (Pektin, Inulin, etc.) und unlöslichen (Zellulose, Lignin, etc) Ballaststoffen.

Zur Gruppe der löslichen Ballaststoffe zählen die sogenannten Präbiotika. Sie sind eine spezielle Art von Ballaststoffen und befinden sich vorwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln.

Folgende Nahrungsmittel versorgen dich mit Präbiotika:

Zwiebeln, Topinambur, Leinsamen, Flohsamen, Knoblauch, Karotten, Schwarzwurzel, Lauch, Bananen, Brokkoli, Artischocken, usw. 

Was passiert, wenn ich Topinambur esse?

Die Darmbakterien im Dickdarm freuen sich über eine Ladung Inulin (you know, Name des Ballaststoffes, der in Topinambur steckt), da sie Inulin als Nahrung nutzen und verstoffwechseln können. Das ist mit präbiotischer Wirkung gemeint. Denn Präbiotika sind nichts anderes, als wertvolle und wichtige Nahrung für die nützlichen Darmbakterien. Aber Achtung: Probiotika sind nicht gleich Präbiotika. Probiotika sind nämlich Lebensmittel, die lebende Mikroorganismen enthalten. Pröäbiotika hingegen enthalten keine lebenden Bakterien, sondern Stoffe, damit das Wachstum und die Aktivität der vorhandenen Darmbakterien angeregt wird. Es ist also nicht damit getan, sich Probiotika-Präparate zuzuführen und die guten Darmbakterien dann „verhungern“ zu lassen. Präbiotika sind ebenfalls sehr wichtig, als sozusagen die Nahrung für diese Bakterien.

Wie mache ich Topinambur verträglicher?

Topinambur ist jedenfalls sehr, sehr wertvoll für die Darmflora. Wenn man es jedoch nicht gewohnt ist, dann ist es sehr wichtig, die Menge langsam zu steigern und den Darm erst daran zu gewöhnen, dass man ihm da gerade was Gutes tut.

Es muss natürlich gar nicht sein, dass du mit Bauchweh oder Blähungen reagierst. Wenn ich Topinambur esse, merke ich zum Beispiel gar nichts, insofern ich nicht wirklich viel davon verspeise. Mein Darm ist die Zufuhr von Ballaststoffen also gewöhnt.

Wenn du jedoch schonmal sehr stark auf Topinambur reagiert hast, oder generell empfindlich bist, empfehle ich dir die Menge langsam zu steigern und einfach mal zu schauen, was passiert. Iss anfangs vielleicht nur einen Topinambur und nimm auf Dauer immer ein wenig mehr. That’s it! Hab keine Angst, Topinambur zu essen. 

In der Volksheilkunde hat sich Topinambur in folgenden Bereichen bewährt: Magen-Darm-Beschwerden (z. B. erhöhte Magensäureproduktion), Diabetes, Rheuma, Kraftlosigkeit und Schlaflosigkeit, trockene Haut und Ekzeme.

Wie bereite ich Topinambur zu?

Besonders gut macht sich Topinambur als Ofengemüse mit etwas Öl, Salz und Gewürzen. Da kommt dieser köstlich-intensive, typische Topinambur-Geschmack richtig gut raus. Hier kommt ihr zum Rezept für mein liebstes Winter-Ofengemüse. Ich schäle ihn dafür nicht. 

Außerdem kannst du aus Topinambur eine cremige Suppe, ein fluffiges Püree, crunchy Chips oder Risotto zaubern. Topinambur im Risotto ist wirklich unfassbar lecker! Ich esse es ständig!! Da entfaltet der Topinambur seinen Geschmack ganz fantastisch.

Bitte koche Topinambur auf keinen Fall einfach wie eine Kartoffel ab. Dadurch entsteht der besonders feine Geschmack leider nicht. Im Gegenteil. So schmeckt das Gemüse einfach nur sehr, sehr langweilig und komisch. Trust me!

Wichtig: Rechne damit, das Topinambur im Vergleich zu anderen Gemüsesorten etwas länger braucht um durch zu werden.

 

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7 Comments

  • Reply Paula 3. Dezember 2020 at 2:49 pm

    Hey 🙂 Ich würde sehr gerne das Risotto ausprobieren. Muss ich dabei irgendetwas beachten? Braucht das Topianambur länger oder ungefähr so lange wie der Reis? 🙂
    Vielen Dank schon mal!
    Liebe Grüße

    • Reply Justine 3. Dezember 2020 at 2:54 pm

      Hi Paula, gute Entscheidung 😉 Zwiebeln oder Schalotten anschwitzen und die Topinamburstücke (sehr klein geschnitten!) gleich dazu und auch kurz auf niedriger Hitze anrösten. Dann den Reis dazu. Also sie brauchen ungefähr so lange wie der Reis. Lass es dir schmecken! LG Justine

      • Reply Karin 27. Februar 2021 at 6:38 pm

        Jaaa, ich hab auch den Garten voller Topi’s und Risotto damit ist wunderbar!
        Unsere Bienen lieben übrigens die schönen Blumen der Topi’s, die im Spätsommer dann blühen…

  • Reply veganundklücklich 27. November 2020 at 2:17 am

    Danke für den Beitrag, ich liebe Topinambur ob roh, gedämpft oder auch im Ofen gebacken, ach (eigentlich) immer lecker!
    Viele Grüße,
    Jesse-Gabriel

    • Reply Justine 3. Dezember 2020 at 2:51 pm

      Das freut mich 🙂 Topinambur ist so vielseitig einsetzbar! LG Justine

  • Reply Jessica 26. November 2020 at 9:56 pm

    Toller Beitrag, wie immer liebe Justine habe noch nie tobinambur gegessen und werde mir daher am Samstag gleich welchen auf dem Markt holen, und deine Rezepte mal ausprobieren ☺️ Danke dir und liebe Grüße

    • Reply Justine 3. Dezember 2020 at 2:50 pm

      Hi Jessica, ich hoffe du mochtest ihn 🙂 Danke dir! Alles Liebe, Justine

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