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#FactFriday: Die Umweltsünde Smartphone

[2 Minuten Lesezeit – Ein bisschen Bildung am Freitag] Heutzutage hat jeder ein Smartphone und Hardwarehersteller verleiten uns mit immer besseren, schnelleren, größeren Handys ständig ein neues zu kaufen. Klarerweise spielt auch unser eigenes Kaufverhalten mit hinein. Ich sehe es bei Freunden und bei meiner kleinen Teenager-Schwester. Am besten wird das Smartphone ein Mal pro Jahr gegen ein Modell getauscht, das brandneu ist und besser fotografieren kann. Hauptsache neu, auch wenn das „alte“ Handy noch gut funktioniert. Leider sind wir zu einer Wegwerfgesellschaft geworden, die lieber neu kauft, als repariert, wenn wirklich mal etwas kaputt ist.
Dass die Herstellungsbedingungen in der Elektronikbranche teilweise noch katastrophaler sind als in der Fast Fashion (H&M, Zara, Primark und Co.) Industrie, interessiert natürlich (fast) niemanden. Chemikalienbelastungen (kaum oder keine Schutzausrüstung), ununterbrochenes Arbeiten im Stehen, 15-Stunden-Schichten, verbaler Missbrauch, unzureichende Feuersicherung in den Schlafeinrichtungen* und leider auch Krebserkrankungen aufgrund von Kontakt mit krebserregenden Chemikalien** sind normal. Ein Smartphone der heutigen Zeit besteht aus bis zu 60 verschiedenen Metallen, einigen seltenen Erden und Bestandteilen von ungefähr 270 verschiedenen Zulieferern. Uns muss klar sein, dass wir, wenn wir ein Smartphone von Apple, Samsung, Huawei und Co. verwenden, nicht nur grausame Arbeitsbedingungen & Kinderarbeit (Kobalt, ein unersetzliches Metall, das in Smartphones steckt, wird bspw. in Minen des afrikanisches Kongos abgebaut, wo Kinder arbeiten!) unterstützen, sondern auch gewaltigen Schaden an diesem Planeten anrichten.

„Ein neues Smartphone zu kaufen, verbraucht so viel Energie, wie ein bereits existierendes Smartphone weitere 10 Jahre zu benutzen (aufzuladen inbegriffen).“

Das liegt daran, dass der Abbau von seltenen Erden etc. 85%-95% des CO2-Verbrauchs eines Smartphones in den ersten zwei Jahren der Nutzung ausmachen.
Laut einer neuen Studie der McMaster Universität hat die ICT (Information and Communication Industry – inkludiert Laptops, Monitore, PCs, Smartphones und Server) im Jahr 2007 „nur“ ein Prozent des weltweiten CO2 ausgemacht, aktuell sind wir bei etwa 3% und im Jahre 2040 werden es Prognosen zufolge 14% sein. Es macht einen verdammt großen Unterschied, ob wir ein Smartphone zwei oder vier Jahre verwenden, bitte bedenkt das und informiert andere, dass der CO2-Abdruck signifikant fällt, wenn man sein Handy (und natürlich ist hier auch die Rede von anderen elektronischen Geräten) länger verwendet. 

„Wie wäre es mit einem neuen Akku für dein iPhone, anstatt ein neues zu kaufen?“

Was du tun kannst:

Wer aktuell noch nicht auf ein Fairphone (hier kommt ihr zu Berichten von ViertelVor) zurückgreifen möchte (das eine wirklich tolle Alternative ist, jedoch, meiner Meinung, für meine Bedürfnisse als Heavy Userin/Bloggerin, leider noch nicht ausgereift genug ist. Für viele andere ist es aber sicherlich das perfekte Handy!), kann folgendes tun, um Ressourcen zu schonen: Die Nutzungsdauer auf 4-6 Jahre erhöhen. Achtsam (!) damit umgehen (z.B. eine Hülle verwenden), wenn eine Reparatur nötig ist lieber reparieren (ja, das ist in sehr vielen Fällen möglich!), anstatt ein neues zu kaufen. Das alte Handy verkaufen oder verschenken (insofern es noch gut genug funktioniert), wenn doch ein neues (oder ein secondhand phone?) einzieht, damit noch jemand anderes Freude damit haben kann. Falls es nicht mehr funktioniert: Fachgerecht entsorgen.
Ein weiterer Tipp: Informiert euch wirklich gut (in Foren, bei technisch versierten Freunden und Co), bevor ihr ein Handy kauft. Es soll perfekt zu euren Ansprüchen passen und wenn du es wirklich lange verwenden willst, sollte ein Mikrofon oder der Akku auch leicht ausgetauscht werden können.
Das Handy lange zu verwenden ist das a und o, denn so können wir CO2 und all die Materialien einsparen, die selten sind und oft ausbeuterisch abgebaut werden.

„Im Durchschnitt kaufen Österreicher*Innen 22kg Elektronik pro Jahr.“

Dieses Thema ist doch weitaus größer, als gedacht und es fällt mir schwer, nun nicht weiter ins Detail zu gehen. Denn nun könnten wir noch über den ganzen Elektroschrott reden, der sich anhäuft. Beispielsweise werden nur 1% aller Apple-Smartphones recycelt! Oft werden die Geräte nicht fachgerecht entsorgt. Bitte erkundigt euch und entsorgt eure Elektronik richtig, sodass vielleicht doch einige Materialien wiederverwendet werden können.

 

Wenn ihr euch weiter informieren wollt, klickt euch doch mal durch die verwendeten Quellen. Ich hoffe, ich konnte euch den Impuls geben, achtsam mit Elektronikgeräten umzugehen und andere zu motivieren, das gleiche zu tun. 

 

Quellen:

Smartphones Are Killing The Planet Faster Than Anyone Expected danke an Mia von  heylilahey für den Lesetipp!

Seltene Erden: Diese Rohstoffe stecken in Smartphones

*Untersuchungen der China Labor Watch

Schwere Arbeitsrechtsverletzungen in Foxconn Fabrik in China

Elektroschrott richtig entsorgen – ORF

**Samsung entschuldigt sich für Krebsfälle bei Fabrikarbeitern

 

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7 Comments

  • Reply Kiri.99 28. November 2018 at 9:01 am

    Es gibt neben dem Fairphone auch das „Shiftphone“, welches auch fair produziert und durch Modulbauweise einfach zu reparieren ist: https://www.shiftphones.com/ – da gibt es auch Laptops und Kopfhörer und so. Ich weiß aber nicht, wie das so ist, ich habe mein Handy seit fast 4 Jahren und kenne auch keinen, der ein Shiftphone besitzt. Es klingt aber super ansprechend. 🙂

    • Reply Justine 6. Dezember 2018 at 12:11 pm

      Hi Kiri, danke dir für den Tipp! Davon haben nun schon einige berichtet. Viele haben leider erzählt, dass es bei ihnen gar nicht funktioniert. Andere waren total begeistert 🙂
      Alles Liebe, Justine

  • Reply Milli 23. November 2018 at 12:18 pm

    Gerade gesehen, ein dazu passender Artikel:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/samsung-entschuldigt-sich-fuer-krebsfaelle-bei-fabrikarbeitern-a-1239970.html

    Entschuldigungen sind natürlich leider nicht genug, vor allem für die Menschen, deren Angehörigen nun schon tot sind…

    • Reply Justine 23. November 2018 at 2:51 pm

      Vielen Dank für den Artikel!! Wird gleich ergänzt 🙂

  • Reply Sandra Schmitt 23. November 2018 at 10:11 am

    Liebe Justine, vielen Dank für Dein Engagement und Deinen wichtigen Beitrag. Ich möchte gerne meine Erfahrungen mit Dir / Euch teilen:
    Ich hatte von Anfang an ein Fairphone (es war also mein erstes Smartphone überhaupt!) und ich bin vom ersten Tag begeistert davon! Die Hardware ist sehr gut verarbeitet und es fühlt sich einfach viel hochwertiger an als andere Produkte. Zudem kann man es komplett auseinander bauen und Einzelteile austauschen, wenn es nötig ist oder wenn man das möchte. Ich habe bisher die Kamera ausgetauscht und das alte Modul zur Wiederverwertung an Fairphone zurück gesendet. Die Software funktioniert übrigens ebenfalls tadellos, der große Bildschirm ist mega. Ich finde, ein Fairphone zu benutzen ist ein echtes Statement: was ist mir die Umwelt, was sind mir andere Menschen wert, die durch die Herstellung von Smartphones beeinträchtigt werden. Ich finde, dass die Smartphones von Apple nicht der Maßstab für alle anderen Produkte sein sollten. Andere Smartphones sind eben anders, aber nicht unbedingt schlechter. Ich wohne in München, und wenn ich sehe, dass Kunden von Apple wie „Jünger“ stundenlang und auch nachts vor dem Laden campieren, wenn mal wieder ein neues Telefon auf den Markt kommt, finde ich das beängstigend. Das wirkt auf mich schon fanatisch und hat mit normalem Konsumverhalten nichts mehr zu tun.

    • Reply Justine 23. November 2018 at 10:19 am

      Hi Sandra,

      vielen Dank für deinen wertvollen Input. Ich kann dich total verstehen!! + ich freue mich sehr, dass du so happy bist mit deinem FairPhone
      Ich als Bloggerin bin halt bspw. sehr auf eine wirklich gut funktionierende Smartphone-Kamera angewiesen. Deshalb ist das FairPhone noch nichts für mich. Ich habe es umformuliert. Ich denke, es passt jetzt besser 🙂
      Alles Liebe, Justine

  • Reply Carla Hauptmann 23. November 2018 at 9:13 am

    Das ist echt ein wichtiges Thema. In meinem Freundeskreis sind zum Glück alle zu pleite, um sich wirklich neue Geräte zu kaufen & auch ich kaufe mittlerweile jegliche Elektronik gebraucht. Kommt dem Geldbeutel & der Umwelt eindeutig zu Gute 🙂

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