Eco, Fact Friday

#FactFriday: Sind Weihnachtsbäume eigentlich nachhaltig?

[Ein bisschen Bildung am Freitag. 2 Minuten Lesezeit] Für viele gehört ein Weihnachtsbaum eben einfach zur Vorweihnachtszeit und zu Heilgabend dazu. Doch wie es so ist mit Traditionen, nicht alle sind sinnvoll, geschweige denn gut für die Umwelt.

„Wusstest du, dass allein in Deutschland 25-30 Millionen Christbäume pro Jahr verkauft werden?“

Das ist irrsinnig viel. 90% dieser Bäume werden immerhin in Deutschland angebaut und deshalb sind die Transportwege recht kurz. Die anderen 10% stammen aus Ungarn, Österreich, Tschechien, Polen, usw.
Die Bäume kommen meist nicht aus dem Wald, sondern werden auf landwirtschaftlichen Flächen angebaut. Manche stehen und wachsen dort bis zu 10 Jahre (je nach Art sind es zwischen 3 und 12 Jahren) und werden dann verkauft. Problematisch sind die vielen Insektizide und Herbizide (aka Insektenvernichtungsmittel und Unkrautbekämpfungsmittel), die (meist) eingesetzt werden. Diese sind hochgiftig und eine starke Belastung für die Umwelt. Natürlich werden auch Düngemittel eingesetzt, damit die Tannen besonders schön werden und eine tolle Farbe bekommen.

Da sollte man sich ehrlich fragen: Ist es das wert? Der Umwelt zu schaden, den Baum zu fällen und sich dann 1-4 Wochen daran zu erfreuen? Braucht es wirklich einen Baum? Und wollen wir diese (tut mir Leid, wenn ich das so sage) unnötige Tradition tatsächlich an unsere Kinder weitergeben? Das war vielleicht früher schön, aber mittlerweile sind wir verdammt viele Menschen auf dieser Welt und haben ein verdammt großes Klimawandel-Problem, zu dem auch die alljährlichen Weihnachtsbäume einen, wenn auch sehr kleinen, Teil beitragen. Bewusster Konsum sollte gerade zur Weihanchtszeit nicht aufhören, sondern noch klarer (vor)gelebt werden.

(Nachhaltige) Alternativen zum herkömmlichen Baum:

Logischerweise ist es die beste Alternative gar keinen Baum zu kaufen. Klar, Weihnachtsbäume sind sozialisiert und es ist „normal“ einen zu haben, aber wir wissen, dass Weihnachtsstimmung nicht hauptsächlich durch einen Baum entsteht, sondern vor allem durch weihnachtliche Gerüche, entspannte Stimmung, weihnachtliche Musik, schöne Lichter, Lebkuchen, Kerzen und so weiter. Ja, auch ohne Baum kann Weihnachten sehr weihnachtlich werden! Das Geld kann man beispielsweise stattdessen für Punsch ausgeben und eine schöne Zeit mit seinen Liebsten verbringen.

1. Es gibt den Bio-Baum, der genau wie die normalen Christbäume angebaut und gefällt wird. Jedoch findet dessen Anbau zumindest unter Kriterien der ökologischen Landwirtschaft statt und es werden keine chemischen Pflanzenmittel eingesetzt. Einfach ecosia (aka Google für Umweltbewusste) befragen, wo es in der Nähe Bio-Bäume gibt.

2. Es gibt mittlerweile einige Betriebe, die Lebendbäume verleihen und sie dann wieder einpflanzen. Damit der Temperaturschock die Nadelbäume nicht killt, werden sie im besten Fall auf die Wärme des Wohnzimmers vorbereitet und kommen nach der Weihnachtszeit nicht wieder direkt in den Boden, sondern werden erst einmal in Hallen gelagert und behutsam an die Kälte gewöhnt. Ich finde, das ist eine wirklich schöne Alternative zum herkömmlichen Christbaum.

3. Eine andere (fragwürdige) Alternative ist der Plastikbaum (meist aus Fernost). Die Herstellungsbedingungen sind bedenklich und die Transpowertwege lang. Wenn man diesen Baum dann jedoch 20-30 Jahre verwendet, ist die Frage, ob das dann nicht trotzdem viel besser ist, als ein Lebendbaum oder ein Bio-Baum? Fakt ist, so ein Plastikbaum wird nicht zu Hummus, so wie seine lebendigen Artgenossen. (Wobei fraglich ist, wie toll Pestizid-Hummus tatsächlich ist. Das ist doch alles ein kranker Kreislauf! Ohje, ich werde emotional..) Und ich bin sicher, dass sich viele den Plastikbaum kaufen, ihn dann doch nicht so toll finden und gleich wieder entsorgen. Plastikmüll zu Hauf! Secondhand-Plastiktannen wären auch noch eine Option.

4. Zimmertannen sind eine Möglichkeit, eine Tanne das ganze Jahr in der Wohnung zu beherbergen und zu Weihnachten zu schmücken. Diese wird dann auch von Jahr zu Jahr größer.

5. Bei Manufactum und auch bei vielen anderen Anbietern gibt’s abstrakte Weihnachtsbäume aus Holz. Eine schöne Alternative zu Bäumen aus Plastik. Wichtig: Sich zuerst fragen, ob einem so etwas wirklich gefällt. Denn so ein Holzbaum sollte eine Anschaffung für viele Jahre sein.

Eine liebe Leserin hat mich noch auf diese grandiose Alternative aufmerksam gemacht: Ein Tannenbaum au Stoff gedruckt. Und eine andere Leserin meinte, dass sie Bücher in Form einer Tanne aufstellen wird. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt!

 

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4 Comments

  • Reply Susi 9. Dezember 2018 at 5:46 am

    Ebenfalls problematisch ist die Gewinnung der Samen für die Christbaum-Kulturen. Die meisten sind Nordmanntannen und deren Samen werden unter ziemlich schlechten Bedingungen in Georgien geerntet.
    Diesbezüglich bietet fairtrees (https://fairtrees.de) eine gute Alternative. Mit dem kauf unterstützt man die Menschen dort.

  • Reply Elisabeth 8. Dezember 2018 at 12:51 pm

    Ein kleiner Verbesserungsvorschlag: Bitte gib doch die Quellen an 🙂 Ich lese sooft Posts wo gerne Wissen verbreitet wird, aber ohne Quellen hat man keine Ahnung ob das eigentlich stimmt und muss quasi blind vertrauen. Auf der Uni würdest du ja auch nie eine Seminararbeit oder Masterarbeit ohne wissenschaftliche Quellen abgeben da sonst die Glaubwürdigkeit nicht vorhanden ist. Würde mir das bei Blogposts auch wünschen! 🙂

  • Reply moma 7. Dezember 2018 at 3:59 pm

    DANKE !!! Man kann es nicht oft genug schreiben.

    Ich war so geschockt von den Fakten, die ich schon vor ein paar Jahren dazu fand, ich habe den Baum danach einfach sein lassen und er fehlt uns überhaupt nicht! Ich wollte keine Giftbombe im Wohnzimmer und keine zerstörten Böden.

  • Reply Janine 7. Dezember 2018 at 8:00 am

    Hallo Justine, ich bin tatäschlich dieses Jahr soweit, mir die Baumfrage zu stellen. Im Herzen bewegt hat mich die Frage schon lange, aber Kindheitserinnerungen und Nostalgie sind eben nicht einfach zu überwinden. Bei und kommt hinzu, dass wir nur wählen können: Mit Öffis einen normalen Baum unbekannter Herkunft kaufen, Auto leihen und einen normalen Baum selber fällen oder einen BioBaum aus dem Sauerland nach Bayern fahren lassen und liefern lassen. Alles drei keine zufriedenstellende Option. Wir suchen also gerade nach Alternativen. Mal sehen. Ich denke, 2018 wird es noch der Auto leihen und ums Eck fällen Baum werden. Aber selbst die Jüngste meinte: „Ich bin 7. Das sind 7 Bäume die in meinem Leben gestorben sind. Nein, das kann ich nicht machen!“
    Also, keine Angst vor Veränderungen trotz Familie/Kindern. Die machen eher mit als man glauben mag. Wenn man ihnen erklärt, warum man darüber nachdenkt, etwas anders zu tun und sie am Prozess teilhaben lässt. Vollendete Tatsachen mag niemand.

    Liebe Grüße
    Janine

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