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Zahnpulver einfach selber machen oder Warum ich nie wieder Zahnpasta kaufe

Endlich habe ich Zahnpulver selbst gemacht. Das stand nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich, monatelang auf meiner To-Do-Liste. Anfang Mai haben wir dann Natron und Xylit (Birkenzucker) im Unverpacktladen besorgt und los ging’s. Die restlichen Zutaten hatten wir nämlich bereits zuhause. Es ist so einfach und super günstig, Zahnputzpulver – oder auch Zahnkreide oder Zahnpulver genannt – herzustellen, dass ich mich echt wundere, warum das nicht mehr Leute machen. Es ist die perfekte Zero Waste / Less Waste (je nachdem, was du reintust) Alternative zu Zahnpasta. Abgesehen davon ist es sooo praktisch. Für unterwegs und auf Reisen braucht man nur einen Mini-Behälter und ist wunderbar versorgt. Der mega Pluspunkt ist natürlich der Müll, den man durch selbstgemachte Zahnkreide einspart. Plastikmüll durch Tuben, ade! Hello nachhaltiges Zähneputzen – natürlich in Kombi mit plastikfreier Bambus-Zahnbürste. Man bekommt (fast) alle Zutaten unverpackt oder hat sie sowieso bereits zuhause. Ich finde ja, dass sich so ein Gläschen mit Zahnputzpulver auch perfekt als DIY Weihnachtsgeschenk eignet.

Als nachhaltige Alternative zu Zahnpasta: DIY Less Waste Zahnpulver selber machen

Das Rezept für das DIY-Zahnpulver ist nicht in Stein gemeißelt. Es gibt sehr viele Möglichkeiten der Abwandlung. Ihr könnt einfach ein wenig experimentieren. Im Rezeptteil habe ich euch viele Optionen aufgeführt.

Less Waste Zahnputzpulver selbermachen – Eure Fragen, meine Antworten

Schäumt das Zahnputzpulver?

Kaum! Dass Zahnputzmittel nur dann perfekt säubern, wenn sie schäumen, stimmt natürlich nicht. Wir sind das nur von klein auf gewohnt, dass wir beim Zähneputzen Schaum im Mund haben. Es braucht also eine kleine Umgewöhnungsphase. 

Kann man dann mit Kokosöl Zahncreme daraus machen?

Ja könnte man. Ich mag das jedoch nicht so gerne. Gerade, dass das Pulver trocken ist und gar nicht schlecht werden kann ist mir so sympathisch. Ich mache alle 2-3 Tage ein wenig Kokosöl auf meine Bürste und füge dann erst das Pulver hinzu und putze dann einfach mit dieser Kombi meine Zähne. Ansonsten putze ich nur mit dem Pulver.

Wie hoch sind die Kosten des Pulvers? Ist es billiger als fertiges Pulver oder Zahnputztabletten zu kaufen?

Es ist um einiges billiger bzw. teilweise sogar extrem viel billiger. Ihr erinnert euch vielleicht noch, als wir circa 250 Zahnputztabletten (aka gepresstes und in Form gebrachtes Zahnpulver) für 25 Euro gekauft haben. Klar, es gibt auch viel günstigere Tabletten. Bei dem Unverpacktladen, wo wir waren, waren sie halt heftig teuer. Was ich damit sagen will: Die Preise von Zahnputztabletten und Zahnputzpulver gehen im Laden so weit auseinander, dass ich hier keinen genauen Vergleich anstellen kann. Natron und Birkenzucker habe ich im Unverpacktladen fast gratis bekommen. Mineralerde/Tonerde/Heilerde kostet mal mehr, mal weniger, je nachdem von welcher Marke es ist. Ist aber auch relativ günstig.
Wir hatten jedoch Kurkuma und Pfefferminzöl bereits zuhause. Da man nur sehr wenig braucht, fällt es preislich so gut wie gar nicht ins Gewicht. Wenn man es sich extra dafür anschafft, lohnt es sich anfangs kaum (außer für eine Großfamilie), weil man so wenig ätherisches Öl braucht. Vielleicht kaufst du dir das ätherische Öl gemeinsam mit Freunden und Familie und ihr stellt das Pulver gemeinsam her oder man nutzt es einfach auf lange Dauer (mit dem Öl kann man ja auch andere Sachen machen). Andererseits brauchst du auch nicht unbedingt ätherisches Öl. Du kannst dir ein wenig Salbei oder Minze trocknen und fein mörsern. Es gibt so viele Möglichkeiten, die Basis zu pimpen.

Wie wirkt das Zahnputzpulver im Vergleich zu Zahncreme?

Da müssen wir zwischen konventioneller Zahncreme, die viel Unsinn (wie Mikroplastik, aggressive Tenside wie SLS – Sodiumlaurethsulfat, ein Schäumungsmittel, PEGs und Co) enthält, den wir weder in unserem Mund, auf unseren Zähnen noch im Abfluss haben wollen und Naturkosmetik-Zahnpasta unterscheiden. In der natürlichen Zahnpasta stecken zum Teil nämlich genau die gleichen Inhaltsstoffe drin, wie in unserem Pulver. Zusätzlich natürlich noch Feuchthaltemittel, Konsistenzgeber und Bindemittel. Schadet nicht, braucht aber kein Mensch. Zahnpulver ist ganz einfach auf das wesentliche reduziert: Die Putzkörperchen plus die reinigende, antibakterielle Wirkung durch Salbei und Co.

Unterscheiden sich die Inhaltsstoffe zu fertiger Zahnkreide bzw. Zahnputztabs?

Nicht so sehr. Manche haben genau die gleichen Inhaltsstoffe, andere haben noch ein paar mehr Zutaten dabei. Unsere selbstgemachte Zahnkreide ist also mindestens genauso gut wie die, die ihr in Unverpacktläden kaufen könnt.

Werden die Zähne wirklich sauber?

Ja! All das Chemiezeugs in herkömmlicher Zahnpasta schadet mehr, als dass es nutzt. Wenn wir uns die Inhaltsstoffe von Naturkosmetik-Zahnpasta ansehen können, die gar nicht so viel anders wirken, als das Pulver. Zusätzlich empfehle ich natürlich, die Pflege mit Zahnseide. Überhaupt kommt es oft eher auf die Putztechnik an, als auf die Zahncreme.

Wie ist das Putzgefühl?

Angenehm, aber anfangs ungewohnt. 

Fühlt sich dein Mund danach frisch an?

Nicht mehr oder weniger wie mit anderen Naturkosmetik-Zahnpastas oder Tabs, die ich sonst verwendet habe. Ich mag meine Zahnkreide mit Pfefferminzöl besonders gerne. Ohne dem fehlt mir die Frische. Für mich fühlt sich mein Mund auf jeden Fall erfrischt und sauber an. Alex findet es hingegen ungewohnt und ihm fehlt das Sauberkeitsgefühl. Ich schätze, das ist Gewohnheitssache. Abhilfe könnte man noch mit einem natürlichen, erfrischenden Mundwasser schaffen.

Welche Inhaltsstoffe stecken in der Zahnkreide und was bewirken sie?

Mögliche Inhaltsstoffe (nicht alle müssen enthalten sein, Rezept weiter unten):

Natron (nicht Backpulver): kann Verfärbungen von den Zähnen lösen, regt den Speichelfluss und somit die Selbstreinigung im Mund an, neutralisiert Säuren im Mund, hemmt Bakterienwachstum

Heilerde/ Tonerde/ Mineralerde/ Schlämmkreide: Remineralisiert die Zähne, bindet Giftstoffe und Schwermetalle, löst Verunreinigungen ohne den Zahnschmelz anzugreifen

Birkenzucker (Xylit): natürlicher Schutz gegen Karies, hilft säurebildende Bakterien zu reduzieren, remineralisiert durch Stabilisierung von Calcium den Zahnschmelz

Kieselerde: Putzkörper, hilft Zahnbelag zu entfernen

getrocknete Minze/ ätherisches Pfefferminzöl: antibakteriell, antiviral, entzündungshemmend und verleiht einen frischen Geschmack.

getrockneter Salbei/ ätherisches Salbeiöl: wirkt antibakteriell und antiseptisch

Kurkuma: wirkt zahnaufhellend, entzündungshemmend und hat gefühlt 1000 andere positive Eigenschaften

Ingwerpulver: wirkt entzündungshemmend, verbessert die Blutzirkulation und verleiht einen frischen Atem

Zimt: wirkt desinfizierend, entzündungshemmend und hilft gegen Pilze und Bakterien

Du kannst außerdem Hamamälis, Nelkenpulver, Eukalyptus, Myrrhe, Teebaum, Fenchel, Zitronengras oder Süßholz hinzufügen. Es gibt endlos Kombinationsmöglichkeiten.

Das sind nicht alle Inhaltsstoffe, das sind ein paar der Grund-Inhaltsstoffe plus einige optionale Zutaten. Also keine Sorge, euer Zahnpulver enthält nicht so viele Zutaten. Du kannst individuell zusammenstellen.

Meins wurde zu grob, was den Zahnschmelz angreift. Tipps?

Sehr, sehr gut mit dem Mörser zerkleinern. Dadurch wird es ganz fein.

Wie benutzt du das Pulver?

Mit der trockenen Zahnbürste ein wenig rausholen. Man braucht echt nicht viel. Erst danach mache ich die Zahnbürste nass. Du kannst es auch umgekehrt machen. Bitte achte darauf, dass kein Wasser von der Zahnbürste in das Pulver tropft.

Gibt es Berichte von Ärzten? Ich habe sehr schlechte Zähne und traue dem ganzen nicht so ganz!

Dr. med dent. Wolf Brockhausen spricht sich hier für Zahnpulver aus. Natürlich wird es Zahnärzte geben, die Zahnpulver toll finden, andere wiederum nicht. Da es aber ähnliche Inhaltsstoffe wie Naturkosmetik-Zahnpasta enthält, sollten sie eigentlich nichts dagegen haben. Viele Zahnärzte meinen jedoch, dass man nicht auf Fluorid verzichten sollte. Das sehe ich persönlich anders.

Wo bewahrst du es auf?

In einem Glasbehälter.

Wie zahnschmelzfreundlich ist es? Greift Natron den Zahnschmelz an?

Sehr zahnschmelzfreundlich ohne Natron, aber auch mit ist es für die meisten richtig gut verträglich. Wenn man sehr empfindlich ist, kann man Natron einfach weglassen. Ich verwende es mit Natron und vertrage es auch damit sehr gut. Natron wird gerne damit in Zusammenhang gebracht, dass es den Zahnschmelz angreift. De facto ist es weitaus weniger aggressiv als so gut wie jede herkömmliche Zahnpasta. Das könnt ihr hier nachschauen.

Enthält das Pulver Fluorid?

Man kann natürlich Fluorid hinzufügen. Gar kein Problem. Ich lasse es jedoch bewusst weg, da ich sicher bin, dass Zahnpasta oder auch Zahnpulver ohne Fluorid die bessere und gesündere Wahl ist. Hier gehen die Meinungen jedoch ganz einfach auseinander

Verschmutzt es den Abfluss?

Nein.

Wie lange ist das Pulver haltbar?

Unbegrenzt! 

Ich weiß, das Rezept wirkt auf den ersten Blick ziemlich kompliziert. Das ist es aber nicht. Die Geschmäcker sind bei Zahnpulver einfach sehr verschieden. Deshalb ist es gut, dass es so viele Abwandlungsmöglichkeiten gibt. Es macht wirklich Freude, sein ganz individuell perfektes Zahnpulver zu kreieren. Versprochen!

Zahnputzpulver

Es gibt ganz viele mögliche Abwandlungen. Du kannst dein Zahnputzpulver individuell "entwickeln". Wichtig ist nur, dass du dich grob an die Angaben hältst. Beim Zahnputzgefühl haben wir alle recht unterschiedlcihe Ansprüche. Werde also einfach kreativ und finde deine perfekte Kombination. Viel Freude damit!

Zutaten
  • 2-3 gestrichene EL Mineralerde (du kannst auch Tonerde, Schlämmkreide oder Heilerde verwenden. Ich mag es mit heller Mineralerde am liebsten)
  • 1 gestrichener EL Xylit (Birkenzucker)
  • 1/2-1 gestrichener EL Natron*
  • 1/2 TL Kurkumapulver (für Kurkuma-Zahnputzpulver) und ein paar Tropfen ätherisches, 100% naturreines Pfefferminzöl** (für einen frischen Geschmack). Sehr beliebt ist auch ätherisches Salbeiöl.
  • optional: Kieselerde (Silicea)
  • optionale Kräuter/Öle: Du kannst ganz nach Belieben ein wenig experimentieren. Manche geben zusätzlich ätherisches Salbeiöl hinzu, da es antibakteriell, entzündungshemmend und antiseptisch wirkt. Geriebener Zimt, Ingwerpulver oder Gewürznelkenpulver sind auch Optionen. Du kannst außerdem Hamamelis, Eukalyptus, Myrrhe, Teebaum, Fenchel, Zitronengras oder Süßholz hinzufügen. Manche reiben auch getrocknete Minz- oder Salbeiblätter dazu. Auch bei ätherischen Ölen kannst du kombinieren: ein Tropfen Salbei und drei Tropfen Orange oder Pfefferminz und Salbei, usw. Ihr seht, die Möglichkeiten sind endlos! Einfach mal ausprobieren, aber bitte nicht zu wild miteinander kombinieren.
Zubereitung
  1. Vermische alle Zutaten und gib sie in den Mörser. Das Pulver muss ultra fein werden. Nach Belieben kannst du noch ein wenig mehr Xylit hinzufügen, bzw. die Zutatenmenge ein wenig abändern. Ich mag das Zahnpulver mit ätherischem Pfefferminzöl besonders gerne, da es einen frischem Geschmack hinterlässt. Mit der Zeit wirst du herausfinden, welche Kombis du am liebsten magst.

  2. Fülle das Zahnputzpulver in einen (verschließbaren) Behälter und nimm dir immer mit dem Zahnbürstenkopf etwas heraus, wenn du deine Zähne putzt. Du brauchst nur eine sehr kleine Menge.

Anmerkungen

* manche mögen kein Natron an ihre Zähne lassen. Andere können sich nicht mit dem Geschmack anfreunden. Du kannst einfach weniger nehmen oder es optional komplett weglassen. Manche machen sich auch ein Pulver mit Natron und eins ohne und putzen abwechselnd. Schau einfach, ob deine Zähne Natron gut vertragen. Ich mag das Pulver mit Natron besonders gerne.

** wichtig: nur 100% naturreines, ätherisches Öl ist hochwertig.

 

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7 Comments

  • Reply Hannes 28. Oktober 2019 at 8:44 pm

    Hallo ich habe jetzt ein änliches rezept mit selbiger zusammenstellung ein halbes jahr ausprobiert . Als ich Jetzt zur zahnfee muste weil ich exterm zähne ziehen hatte Heis/Kalt sagte die gutste a. Heilerde oder der kleichen würde die zähne abschmirkeln wie SCHLEIFPAPIER genauso wie salz ( ein bestanteil meines rezeptes war aus salz) und das zahnhälze unbedingt mineralien brauchen wie Fluorid . bin jetzt nach einen hablebn jahr wieder umgestiegen auf fluorid zahncrem zähne ziehn ist fast volständig weg zusätzlich spühle ich mit Natron das löst die säure vom zahn auf

  • Reply Katharina 23. Juni 2019 at 9:59 pm

    Selbstgemachte Zahnpasta hört sich fantastisch an, wäre ich von allein nie drauf gekommen! Ich habe schon sehr viel auf Nachhaltigkeit umgestellt. Ich kaufe meine Lebensmittel nur noch plastikfrei ein, nehme nur noch naturreine Nahrungsergänzungmittel von Baerbel-drexel.de/nahrungsergaenzung zu mir und benutze sehr viel Naturkosmetik. Die Produkte auch noch umweltschonend selbst herzustellen, ist der nächste Schritt. Hatte da schon mal bei Shampoo und Seife drüber nachgedacht aber nie umgesetzt. Dein Rezept für die Zahnpasta werde ich nun aber ausprobieren, danke dir! 🙂

    Viele Grüße,
    Katharina

  • Reply Christine 24. Mai 2019 at 10:26 am

    Sehr cooles DIY. Ich hab mich kürzlich auch über die Preise der Zahntabs aufgeregt. Werde wohl dein DIY-Rezept auch mal austesten. Liebe Grüße, Christine

    • Reply Justine 29. Mai 2019 at 9:41 am

      Hi Christine, ja, das ist der Wahnsinn wie viel die teilweise kosten. Da lohnt sich das selbermachen auf jeden Fall 🙂

  • Reply Friederike 22. Mai 2019 at 12:28 pm

    Find ich echt ne tolle Anleitung und macht richtig Lust, das auszuprobieren.

    Aber mal ne Frage zum Fluorid, ohne jetzt hier ne Diskussion lostreten zu wollen. Ich würde nämlich (aus Überzeugung) Fluorid mit ins Pulver tun. Aber hast du ne Idee, wo ich das herbekommen könnte bzw. in welcher Form es das überhaupt zu kaufen gibt?

    Ich finde deine Meinung zu Flourid vollkommen ok und wenn deine Zähne ohne zurechtkommen, ist das erst recht super. Aber mal als kleiner Anstoss, warum es da auch andere Meinungen gibt: Kennst du schon Mai, die solche Sachen wunderbar erklärt?
    MaiLab zu „FLUORIDE & ZAHNPASTA – Die ganze Wahrheit“ https://www.youtube.com/watch?v=yg3b8hcUDQs
    und „“Fluoride verkalken das Gehirn!“ | Fast Forward Science 2018″ https://www.youtube.com/watch?v=tAHWL3pgOp8

    • Reply Justine 29. Mai 2019 at 9:41 am

      Hi Friederike! Danke dir für deine liebe Rückmeldung. Hui, leider weiß ich das nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass du es in der Apotheke bekommst 🙂 Mai kenne ich, das Video noch nicht. Danke dir für den Tipp 🙂
      Liebe Grüße, Justine

  • Reply mario franco ettinger 22. Mai 2019 at 11:57 am

    hi cool lg mario

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