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Klimakiller Ernährung: Warum wir es uns heutzutage nicht mehr leisten können, Fleisch zu essen und Milch zu trinken

… Käse zu futtern und überhaupt tierische Produkte zu konsumieren (hätte nur den Rahmen der Überschrift gesprengt). Dieser Beitrag ist längst überfällig. Heute wird Tacheles geredet. Wir stecken in einer katastrophalen Klimakrise. Was das mit veganer Ernährung zu tun hat? Das sag ich euch!

Menschen essen Fleisch und trinken Milch und denken nicht daran, welch unfassbare Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung dahinter steckt. Ach, das ist doch nur ein Ei. Was könnte daran schlimm sein? Außer dass es der Henne in der Legebatterie nicht ganz so rosig geht. Oder die Milch? Was soll so klimaschädlich sein an einem Getränk, das so weiß und unschuldig aussieht?

Viel zu viel: 10-11 Tonnen CO2 pro Kopf 

Die Sache ist sehr einfach und einleuchtend: Wir verbrauchen in Deutschland pro Kopf durchschnittlich etwa 10-11 Tonnen CO2 pro Jahr. Das ist irrsinnig viel. Zum Vergleich: In Indien sind es 1,6 und der weltweite Durchschnitt liegt bei 4,9 Tonnen pro Kopf.

Was hat unsere Ernährung mit dem Klimawandel zu tun?

Wir steuern auf eine Klimaerwärmung von 1,5 Grad, 2 Grad und höher zu. Um das zu verhindern, müssen wir den weltweiten CO2-Ausstoß senken. Das kann auf unterschiedliche Weise passieren. Nicht mehr fliegen, auf Ökostrom umstellen, politisch aktiv werden, demonstrieren, weniger neu, mehr secondhand und eben auch den Nahrungsmittelkonsum auf den Kopf stellen. Um das Klimaziel von 95 % Treibhausgasminderung gegenüber 1990 bis 2050 zu erreichen, müssen wir von etwa 10-11 Tonnen CO2 pro Kopf pro Jahr auf etwa 1-2 Tonnen (ich weiß, ziemlich ambitioniert, aber notwendig) pro Kopf pro Jahr kommen. Das ist das vorgegebene Klimaziel. Da ist alles inbegriffen: Mobilität, Ernährung, Konsum, etc. Und ratet mal: Jeden Tag Fleisch, Wurst und Eier sind da einfach nicht drin. Wir können die Welt nur retten, wenn wir alle was ändern und das fängt bei den täglichen, kleinen Entscheidungen und Gewohnheiten an. Es gibt viele Stellschrauben, an denen wir drehen können. Fliegen vermeiden, deutlich weniger Auto fahren, zu einer nachhaltigen Bank wechseln und vieles mehr. Doch heute möchte ich den Fokus auf die Ernährung lenken.

Verzicht auf Fleisch, Eier und Co: Bringt das wirklich was für’s Klima?

Die Nahrungsproduktion macht, laut einer Studie der Oxford University, 1/4 der weltweiten CO2-Emissionen aus. Mehr als die Hälfte davon – genauer gesagt 58% – geht aufs Konto tierischer Produkte. Nun kommt das krasse: Diese tierischen Produkte liefern nur etwa 1/5 der Kalorien, die wir zu uns nehmen. Was sagt uns das? Tiere essen. Tiere trinken. Da geht viel Futter und Wasser drauf. Die Produktion von tierischen Produkten ist somit kurz gesagt ineffizient. Ineffizienz ernährt aber nicht unsere stetig wachsende Bevölkerung. Ressourcenverschwendung treibt den Welthunger direkt und indirekt voran. Im Detail weiter unten.

A plant-based diet cuts the use of land by 76% and halves the greenhouse gases and other pollution that are caused by food production.“ – The Guardian

„Jeder Veganer spart jährlich 2 Tonnen CO2.“ – Der Spiegel

Alex und ich haben die erste Folge der Serie „Unser Planet“ gesehen und wir wussten nicht, was angebrachter ist. Staunen oder weinen. 60% aller Wildtierarten sind bereits ausgestorben. Wir haben so viel Natur zerstört. Wir haben so schreckliches angerichtet. Klar ist dennoch: Dieser wunderschöne Planet kann überleben. Aber das geht nicht, wenn wir alle nur an uns selbst, an unsere Vorteile denken, wenn wir unsere Geschmacksnerven über alles stellen, wenn wir nur bequem leben wollen. Die Erde braucht uns (nicht). Wir aber brauchen sie. Es braucht die Veränderung/Anpassungen unserer Gewohnheiten an die Klimakrise. Jetzt. Nicht nach weiteren 400 Schnitzeln und 245 Salamibroten. Heute. Nicht morgen. Der Guardian bringt’s auf den Punkt: „Tierische Produkte sind eine Extravaganz, die wir uns nicht mehr leisten können.“

„Der Verzicht auf Fleisch und Milchprodukte bedeutet, dass der CO2-Abdruck deiner Ernährung um 2/3 sinkt.“

Doch wie viel CO2 können wir einsparen, indem wir tierische Produkte aus dem Speiseplan streichen oder auf ein Minimum reduzieren?

Gleich vornweg: Die Zahlen schwanken. Auch die sichersten Quellen sind sich uneinig, wie viel CO2 nun tatsächlich auf ein Kilogramm Rindfleisch kommt. Ich habe versucht, die zu verwenden, die am häufigsten genannt werden. So oder so: Die Zahlen sprechen für sich. Ob sie nun ein bisschen niedriger oder höher sind. 

CO2-Bilanz tierischer Lebensmittel: So viel CO2 bedeuten Fleisch, Butter und Co

Wenn man sich die Treibhausgasbilanz einzelner Lebensmittel ansieht, wundert einen nicht, warum sogar bereits die UN empfiehlt, den Fleischkonsum drastisch zu senken.

1kg Rindfleisch = 13-30kg CO2 (1kg Rindfleisch aus Südamerika liegt (für uns) jedoch bei etwa 50kg)
1kg Käse = 9-13kg CO2
1kg Schweinefleisch = 5-10kg CO2
1kg Eier = 5-7kg CO2
1kg Milch = circa 2kg CO2

Milch & Butter

Wenn du einmal am Tag 200ml Milch trinkst, dann sind das 229kg CO2 mehr auf deinem jährlichen CO2-Fußabdruck. Das ist nur ein kleines Glas Milch pro Tag. Da ist noch nicht die Milch im Kuchen eingerechnet. Oder die 10-18 Liter Milch die auf einen Liter Butter kommen. Um die Zahl 229kg CO2 besser zu verstehen, kannst du dir vorstellen, dass du damit ein durchschnittliches Eigenheim in England für 36 Tage beheizen oder ein Auto 941km weit bewegen könntest. Da würde ebenfalls jeweils diese Menge an CO2 anfallen. Die Werte schwanken, jedoch zählt Butter laut dem SWR zu den klimaschädlichsten Lebensmitteln. Nach meinen Recherchen bin ich sicher: Rindfleisch kommt nochmal deutlich davor, vor allem auch, weil man von Butter auch einfach kleinere Mengen verdrückt. Aber auch auf Butter sollte man dringend verzichten. Die veganen Butter-Alternativen gibt’s mittlerweile fast überall und sie schmecken lecker. 

Eier

1 Ei pro Tag – denk daran, auch in Muffins, Gebäck, Rührei und Co, stecken Eier – bedeuten 202kg mehr CO2 auf deinem Jahreskonto.

Rindfleisch

Wenn du jeden Tag 75g Rind zu dir nimmst, also die Menge an Fleisch isst, die in einem FastFoodBurger stecken, dann produzierst du pro Jahr 2800kg CO2. Nur wegen dem bisschen Fleisch on a daily basis. Das wären acht Flüge von London nach Malaga oder 11.500km mit dem Auto. Dieser Konsum nutzt außerdem 8000m2 Land. Wahnsinn, oder?

Schweinefleisch

Wenn du die gleiche Menge an Schweinefleisch isst, liegst du bei etwa 656kg CO2 pro Jahr. Das wären 1473 Mal duschen oder 2.695km mit dem Auto. 

Fisch

Schauen wir uns abschließend noch den Fisch an! Wenn du 3-5x pro Woche Fisch (140g) isst, ist das aufs Jahr gerechnet etwa das gleiche wie 1.600km mit dem Auto zu fahren oder ein normal großes Haus in England 61 Tage lang zu heizen. Konkret: Weitere 390kg CO2 auf deinem Jahreskonto.

Zum Vergleich: Avocados, die verglichen zu regionalem Gemüse und Obst einen sehr hohen CO2 Abdruck hinterlassen, verursachen pro Jahr etwa 40kg, wenn du 3-4 davon pro Woche isst. 

Regionales Gemüse und Tofu

1kg Tofu = 1-2kg CO2 (oder weniger, wenn regionaler Bio-Anbau)
1kg Gemüse = 0,2kg CO2 (oder weniger, wenn regionaler Bio-Anbau)

„Pflanzliche Produkte haben eine 20 bis 30 Mal bessere Treibhausgasbilanz.“ – Martin Schlatzer vom Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit der Universität für Bodenkultur.

Pflanzliche Alternativen:

Es gibt zu Sahne, Butter, Milch, Joghurt, Käse, Würstchen und Co mittlerweile die allerleckersten Alternativen. Schaut bitte einfach in diesen Artikel für mehr Infos und/oder scrollt ans Ende dieses Beitrags. Ansonsten könnt ihr mir einfach hier auf dem Blog einen Kommentar hinterlassen oder mir auf FB/Instagram schreiben, wenn ihr nicht wisst, wie ihr ein bestimmtes Produkt durch die pflanzliche Alternative ersetzen sollt. Ich helfe euch sehr gerne weiter!

Wurst ist auch Fleisch und Kuchen bestehen nicht nur aus Mehl

An diesen Zahlen sieht man deutlich, dass wir, die wir uns in einer akuten Klimakrise befinden, es uns nicht leisten können, Wurst zum Frühstück, Milch im Kaffee, Eier im Kuchen, Lachs und Butter auf dem Brötchen-Snack, Käse im Mittagessen und Bolognese zum Abendessen zu essen. Die Zeiten sind eigentlich längst vorbei. Außerdem möchte ich nochmal betonen, dass tierische Produkte oft einfach gegessen werden, ohne dass sie Hauptbestandteil einer Mahlzeit sind und deshalb vielleicht nicht als Verzehr von tierischen Produkten wahrgenommen werden. In Kuchen steckt haufenweise Butter, dann noch Eier und Milch. Joghurt besteht aus Milch. Auf der Pizza liegt ein bisschen Schinken. In der Lasagne ist ein bisschen Fleisch. Im Sandwich ist auch mal ein Scheibchen Wurst und auch gleich noch zwei Scheiben Käse. In diversen Fertigprodukten steckt Milchpulver. Gelatine steckt ebenfalls in unheimlich vielen Produkten. Gelatine wird aus Knochen gemacht. Und vieles mehr! 

Warum treiben Fleisch, Milch und Co den Klimawandel voran?

Es gibt mehrere Faktoren, auf die man zurückführen kann, dass tierische Produkte Klimakiller sind: Es geht jedoch nicht nur um den simplen CO2-Verbrauch, sondern auch um die indirekten und direkten Auswirkungen. Fakt ist: Massentierhaltung tut diesem Planeten gar nicht gut. 

1. Land

Wusstest du, dass 26% der weltweiten Landfläche für die Massentierhaltung und den Anbau von Nahrung für eben diese Tiere draufgehen? Die Zahl ist dermaßen absurd, dass man sich das echt auf der Zunge zergehen lassen muss. Mehr als 1/4 des Landes, den uns dieser Planet bereitstellt, geht drauf für die Produktion von tierischen Produkten. Das ist Wahnsinn. Stellt euch mal vor, diese Fläche wäre stattdessen bewachsen mit allerlei Nutzpflanzen (Stichwort: Permakultur), würde mit Wäldern aufgeforstet werden und in wilde Wiesen verwandelt werden. Dann hätten wir einige Probleme weniger. Klar, das ist Wunschdenken. Aber Fakt ist, diese Fläche ist ein Klimakiller. Diese Fläche fehlt uns an Bäumen, an Wildblumen für unsere Bienen, an Dickicht und Co. Denn diese würden CO2 binden, Sauerstoff produzieren, die Artenvielfalt fördern und somit das Ökosystem in seiner Natürlichkeit unterstützen, anstatt es immer weiter zu zerstören und Arten auszurotten

Tierische Landwirtschaft macht 86% der weltweiten Landwirtschaft aus, produziert aber nur 18% unserer Kalorien und nur 37% unseres Proteins. Das liegt daran, dass die Tiere Platz verbrauchen und das vor allem das viele Futter der Tiere Platz verbraucht. Bis ein Tier geschlachtet wird, vergeht seine Zeit. Bis dahin wird es gemästet ohne Ende. Klar, dass am Ende „weniger rauskommt“ als gegeben wird. Massentierhaltung ist eine Ressourcenverschwendung der Sonderklasse. Wenn man also das Protein auf direktem Wege haben will, dann einfach auf Regionale Produkte wie Soja, Erbsen, Linsen, Kichererbsen, Hefeflocken, Hanfsamen, Leinsamen und Co zurückgreifen. 

Kommen wir nochmal zum Milch-Beispiel zurück. Für 200ml Kuhmilch pro Tag geht jährlich eine Landfläche von 2 Tennisplätzen, also 652m2 Land drauf. Bei 1x am Tag Rindfleisch im Burger sind es über 8000 Quadratmeter Land.

2. Heftige Scheiße: Kot ohne Ende

Wisst ihr, was die Umwelt extrem belastet? Der Kot der Tiere. Anders als der Kot, den wir die Toilette runterspülen und der in Kläranlagen landet, gelangt der Kot der Tiere meist ungeklärt im Grundwasser. Doch da geht’s nicht nur um die Massen an Tierfäkalien, die ins Grundwasser gelangen und es kontaminieren. Es geht auch um das, was da im Kot drin ist. Wenn Tiere mit genmanipulierten Lebensmitteln und Antibiotika gefüttert werden, kommt eben das wieder hinten raus. In einem einzigen Stück Fleisch können vier verschiedene Medikamente sein. Wenn man bedenkt, dass Tiere gemästet werden, damit sie schnell groß werden, kann man sich vorstellen, wie viel Kot im Laufe eines kurzen Lebens eines Rinds anfällt. Absurd! Weniger tierische Produkte zu konsumieren bedeuten also im Umkehrschluss, dass unsere Böden und das Grundwasser weniger mit Nitraten, Phosphaten, Medikamenten und Co belastet werden.
Kleines Beispiel aus der Doku Das System Milch: Auf einen Liter Milch kommen drei Liter Gülle. Ein konventioneller Milchbetrieb in Deutschland hat beispielsweise 700 Kühe. Dort fallen in etwa 70.000 Liter Gülle pro Tag an. Bei einem einzigen fucking Betrieb. Das sind Mengen, die wir uns gar nicht vorstellen können. Um ein vielfaches nachhaltiger wäre es, ganz einfach auf die Hafermilch-Alternative oder die Sojamilch-Alternative aus Österreich/Deutschland zurückzugreifen. 100% regional, bio, vegan und nachhaltig. Ja, trotz Tetrapack ist es eine vielfach bessere Option als Kuhmilch (die ja auch im Tetrapack kommt, btw). Kommen wir zurück zum Kot und zu einem Beispiel aus dem Dokumentarfilm What The Health: „Ein erwachsenes Schwein produziert 8-9x so viel Kot wie ein erwachsener Mensch. 10 Millionen Schweine in North Carolina produzieren den Kot von 100 Millionen Menschen. Das wäre, als würde die gesamte Ostküste der vereinigten Staaten ihre Fäkalien in North Carolina loswerden. Was passiert mit dem Kot? Der wird in riesige Gruben gepumpt, die in Flüsse und Bäche laufen, und ungefiltert auf Felder gespritzt. Das belastet Umwelt und Mensch immens. Menschen, die dort wohnen, sind allesamt krank (Asthma, chronische Erkrankungen, Krebs, etc).“

3. Regenwald-Rodungen

In direkten Zusammenhang mit Punkt 1 stehen die Rodungen des Regenwaldes, die gerade so schlimm sind, wie nie zuvor (2019 haben sie um 438% zugenommen im Vergleich zum Vorjahr). Der Regenwald bindet jährlich 2 Milliarden Tonnen CO2 und produziert 20% des weltweiten Sauerstoffs. Das ist ne Menge. Wenn der Regenwald jedoch abgebrannt wird, geht das CO2 in die Atmosphäre zurück. Die Erde erwärmt sich weiter. Allein im Juli 2019 wurden 2.254 Quadratkilometer Regenwald gerodet. Das ist die fünffache Fläche von Wien. Wenn das so weitergeht, existiert der Regenwald irgendwann nicht mehr. Warum wird gerodet? Aus reiner Gier. Genauer: Rohstoffabbau, Sojaanbau und Viehzucht. Die Nachfrage nach Palmöl, genmanipuliertem Soja und Mais wächst weiter. Soja ist das Basis-Kraftfutter für die Viehzucht. Außerdem können dort Rinder gehalten werden, was mehr Billig-Fleisch für alle bedeutet. Billiges Fleisch! Juhu! Doch was passiert mit dem Gen-Soja und Mais? Der landet bspw. in den Futtertrögen der deutschen Milchkühe. Warum die kein Gras fressen? Tun sie! Jedoch nur zu einem Drittel. Ein weiteres Drittel ist Soja. Von Gras alleine produzieren auf Hochleistung gezüchtete Kühe einfach nicht genug Milch, deshalb wird Soja in großen Mengen zugefüttert. 90% des weltweit angebauten Sojas kommt aus den USA, Argentinien oder Brasilien. Ein Liter Milch kommt auf 3 Liter Gülle. Ihr könnt euch also vorstellen, welche Massen die Tiere fressen, nur damit wir nicht auf Hafermilch umsteigen müssen und weiterhin Schinken essen können. Crazy. Ihr seht: Das ist alles ein Kreislauf. Das, was auf deinem Teller liegt, hat was mit den Regenwald-Rodungen und letzten Endes mit dem Klimawandel zu tun. Gute Neuigkeiten: Wenn du etwas änderst, hat das weitreichende Folgen. 

„Jede Person, die ein Jahr lang auf Rindfleisch verzichtet, kann etwa 3,432 Bäume retten.“ Bam!

PS: Um es nochmal klar zu sagen: Das Soja, das im Regenwald angebaut wird, wird nur in 6% der Fälle zu Tofu, Sojajoghurt und Co verarbeitet. 75% gehen für die Tierfütterung drauf, der Rest wird zu Sojaöl oder in Kosmetika verarbeitet. Das Soja, das ich kaufe, wächst natürlich auch nicht im Ex-Regenwald. Ich kaufe regionalen Bio-Tofu, in unserem Fall meist mit Soja aus dem Burgenland.

„Jährlich importiert Österreich bis zu 550.000 Tonnen Sojaschrot, das hauptsächlich als Tierfutter genutzt wird.“ – Der Standard, 2017

4. Wasser

Auch den virtuellen Wasserverbrauch, also die Gesamtmenge des Wassers, das während des Herstellungsprozesses benötigt wird, sollte man sich vor Augen führen: 1kg Rindfleisch benötigt in der Herstellung über 15.000 Liter Wasser. Käse und auch Schweinefleisch liegen bei etwa 5.000 Liter pro 1kg. Zum Vergleich: Bei Kartoffeln sind es etwa 150 Liter. Ich denke, das sagt bereits alles.

Wenn wir uns ein drittes Mal das Milch-Beispiel ansehen: 200ml pro Tag verbrauchen aufs Jahr gesehen 45.000 Liter Wasser. Das ist 703x duschen, um auch das nochmal in Relation zu setzen. 

5. Wenn Rinder pupsen

Alle reden von CO2. Das ist gut. Jedoch darf man auch Methan und Lachgas nicht vergessen. 

Methan: Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe entstanden von 2000 bis 2009 29% der menschengemachten Methan-Emissionen. Erschreckenderweise wird durch Viehhaltung fast genauso viel Methan erzeugt. Das geschieht vor allem durch die Verdauung der Rinder. Die jährliche Luftverschmutzung durch Methan entspricht einer CO2-Menge von etwa 3 Tonnen. Zum Vergleich: Ein 1er BMW, der pro Jahr 15.000 Kilometer fährt, bläst etwa 2 Tonnen CO2 in die Luft. Irrsinn! Byebye milk.

Info: Methan ist fürs Klima umgerechnet etwa 23x schädlicher als CO2.

Lachgas: Die Landwirtschaft ist mit 59% mit Abstand der größte Verursacher von Lachgas-Emissionen. Diese entstehen durch die großen Mengen an eingesetztem Dünger, der Stickstoff-Verbindungen enthält. Diese werden auf dem Feld zum Teil zersetzt und entlassen N2O, also Lachgas, in die Atmosphäre. Auch inbegriffen ist hier der Kot von Tieren. Deshalb greife ich auf vegane Bio-Produkte zurück. Obst und Gemüse wird hier überwiegend mit Kompost gedüngt. 
Lachgas ist sogar 300x schädlicher als CO2. Verrückt!

In Sachen Air Pollution also Luftverschmutzung macht die Tierhaltung 57% der Landwirtschaft aus.

Ja, aber was ist, wenn ich nur Bio-Fleisch esse und Bio-Milch trinke?

Behaupten viele, tun die meisten aber leider nicht. Statistisch gesehen ist es einfach nicht möglich, dass alle, die behaupten, dass sie nur bio kaufen und essen, auch tatsächlich nur bio kaufen und essen: 2016 lag der Bio-Fleischanteil bei Geflügel bei 1,4 Prozent, bei Rotfleisch bei 1,8 Prozent und bei Fleisch- und Wurstwaren sogar nur bei 1,2 Prozent. Ohje. Viele vergessen auch, dass der Fastfood-Burger, den sie schnell zwischendurch essen oder das Stück Kuchen vom Bäcker garantiert keine tierischen Bio-Produkte enthält.

Die Massentierhaltung belastet den Planeten enorm. Bei Bio-Produkten sieht die Bilanz ein wenig besser aus. Klar. Aber lasst euch nicht davon trügen. Die Tiere leben länger, pupsen mehr und produzieren dadurch mehr Mist. Super ist natürlich, dass sie nicht mit genmanipuliertem Soja gefüttert werden, für den der Regenwald gerodet wird. Trotzdem verbrauchen sie Land und Wasser. Trotzdem lohnt sich das, was am Ende rauskommt, nicht wirklich, wenn man die Energiebilanz ins Auge fasst. Auf den genutzten Flächen könnte man so viel Gemüse, Obst und Co anbauen, was wesentlich effizienter wäre.

Meiner Meinung nach ist es auch für bio zu spät. „Unseren Planeten und die Menschheit retten“ steht auf der Tagesordnung und da gibt’s nunmal kein Bio-Steak zu Mittag. Aber klar, wenn tierische Produkte, dann nur bio und aus kleinen Betrieben.

Die Frage aller Fragen: Kann vegane Ernährung unsere Welt retten?

Natürlich nicht nur, aber es trägt einen großen Teil dazu bei, den Planeten zu entlasten, wenn wir auf tierische Produkte verzichten und stattdessen die veganen Optionen wählen. Pflanzliche Ernährung erzeugt deutlich weniger Treibhausgase und ist deshalb die Ernährungsform, die wir wählen müssen, um den Klimawandel zu stoppen. Denn wie gesagt, 1/4 der weltweit entstehenden CO2-Emissionen gehen aufs Konto der Nahrungsmittelproduktion und davon entstehen wiederum 58% durch tierische Produkte. Es ist also eine (Nuss)Milchmädchen-Rechnung, dass Fleisch und Co einfach nicht mehr drin sind. Abgesehen davon birgt eine pflanzenbasierte Ernährung auch erhebliche gesundheitliche Vorteile. Aber das ist wieder ein anderes Kapitel.

„You are personally responsible for becoming more ethical than the society you grew up in.“

Natürlich ist es entscheidend, was wir stattdessen kaufen. Im Idealfall: Bioprodukte, die regional angebaut werden. Ich lebe nicht mal ansatzweise komplett zero waste, aber etwa 80% unseres Obstes und Gemüses kaufen wir unverpackt beim regionalen Bio-Bauernmarkt. Trockene Produkte wie Haferflocken, Reis und Co kaufen wir beim Bioladen (oft leider noch in Einweg-Plastik verpackt) oder beim Unverpacktladen.

„Es wird nicht reichen, unser Essverhalten zu ändern, um die Erde zu retten, aber es ist unmöglich, die Erde zu retten, ohne unser Essverhalten zu ändern.“ – Jonathan Safran Foer

Aber ganz ehrlich, wenn ihr vegan werdet und ihr eben nicht verpackungsfrei lebt und nicht in den Unverpacktladen geht und nichtmal immer bio kauft, ist das noch immer um Welten besser, als (angeblich) regionales Fleisch zu essen und Bio-Milch zu trinken. Wirklich! Kleiner Reminder: der CO2-Abdruck deiner Ernährung sinkt um 2/3, wenn du auf tierische Produkte verzichtest und dir stattdessen all die guten Veggies, Obst, Hülsenfrüchte und Co gönnst. Weiterer Reminder: Jeder Veganer spart jährlich 2 Tonnen CO2. Das ist so viel!

Beiträge und Dokus

Du brauchst Hilfe beim Umstieg auf vegane Ernährung? Dann schau dir diesen Beitrag an: Tipps für vegane Ernährung: So gelingt dir der Umstieg in ein veganes Leben.

In meiner Rezept-Kategorie findest du außerdem haufenweise leckere, vegane Rezepte.

Falls es mal schnell gehen muss, wirst du bei meinen 15 Minutes Lunchbowls fündig, die sind alle vegan und glutenfrei.

Diese Dokus kann ich dir sehr ans Herz legen:

Das System Milch
What the Health
Forks Over Knives

Ihr findet sie bspw. auf Netflix.

Spread the word! Bitte teilt diesen Artikel, was das Zeug hält. Es ist so wichtig, dass wir das Wissen zur Produktion und zu den Auswirkungen tierischer Lebensmittel verbreiten.

 


Quellen:

The Guardian: The best way to save the planet? Drop meat and dairy

Standard: Fleischindustrie verbraucht Großteil des Sojas

Quarks: CO2 in Zahlen. Was ist viel, was ist wenig?

BBC Climate Change Food Calculator

Foodwatch: Zahlen, Daten, Fakten der Bio-Branche

Viertel Vor: Der Regenwald ist kurz davor, seine Regenerationsfähigkeit für immer zu verlieren

Buch: Kleine Gase, große Wirkung

Dokumentation: What the Health

Dokumentation: Das System Milch

 


Ersatzprodukte findest du in vielen Supermärkten. Teilweise mehr, teilweise weniger Auswahl. Größere Auswahl gibt’s oft im dm, Reformhaus oder Bioladen.

Pflanzliche Tipps für Milch, Joghurt, Käse und Co.

Milch: Es gibt viele verschiedene Alternativen für Milch (Hafermilch, Mandelmilch, …). Jeder mag etwas anderes gerne, also hier am besten durchprobieren! Und bitte beachtet, dass die Reismilch von Marke X komplett anders schmecken kann als die Reismilch von Marke Y. Ich mag Hafermilch besonders gerne. Auch Reismilch oder Mandel-Reismilch finde ich super (kommt aber auf die Marke an). Du kannst dir Mandelmilch und Co auf einfach selbermachen. Spart Geld und Verpackung.

Sahne: Hier ist es wie mit der Milch. Meist gibt es Cuisines (Sojacuisine z.B.), mit denen man super Soßen verfeinern kann. Ich finde tatsächlich, dass in diesem Fall die Sojacuisine die beste unter den fertigen Cuisines ist. Auch sehr gut ist die Hafersahne. Wir verwenden sehr gerne homemade Cashewsahne – super lecker. Jetzt kommt noch ein Pro-Tipp: Einfach einen Löffel Cashewmus mit (recht viel) Wasser vermischen und das als Sahneersatz nehmen. Wird super lecker, wenn ihr es bspw. zu heißem Gemüse in die Pfanne gebt. Als Sahneersatz eignet sich auch sehr gut die Asia-Kokosmilch aus dem Tetrapack.

Käse: Es gibt mittlerweile viele Marken, die super leckere vegane Käsespezialitäten anbieten. Happy Cheeze, Cashewbert, New Roots, Violife und Simply V sind meine (und eure) Favoriten. Einige Supermärkte haben veganen Käse in’s Sortiment aufgenommen. Geschmacklich gibt’s große Unterschiede. Falls du Parmesan oder Schmelzkäse vermisst: Der von Simply V ist der Wahnsinn! Du kannst auch versuchen, Käse selbst zu machen. Hier findest du das Rezept für einen leckeren Cashew-Cheese von Eat This, hier kommst du zu einem Kräuterfrischkäse von mir und zu einer sehr guten Pumpkin Cheese-Sauce.

Außerdem solltest du dir unbedingt Hefeflocken (eher hell – gibt’s glutenfrei und nicht glutenfrei, Alex findet die normalen besser. Die glutenfreien sind aber auch voll ok) besorgen. Die haben einen leicht käsigen und sehr würzigen Geschmack. Du kannst damit Saucen zubereiten, Gratins verfeinern oder sie einfach als Topping für pikante Gerichte verwenden.

Joghurt: Es gibt tolle Alternativen auf Kokos- oder Lupinenbasis. Natürlich gibt’s auch Sojajoghurts. Die Geschmäcker sind verschieden. Einfach mal durchprobieren.

Ei: Das Zauberwort heißt Schwefelsalz oder auch Kala Namak. Das schmeckt wie Ei. Echt genau wie Ei! Du kannst dir also bspw. Rührei auf Basis von Tofu oder Kichererbsen machen und es mit Schwefelsalz verfeinern. Du kannst auch einfach ein Stück Avocado damit bestreuen. Yummy!

Fleisch: Es gibt so tolle Möglichkeiten, Fleisch zu ersetzen. Bspw. kannst du Seitansteaks essen, Sojageschnetzeltes oder einfach Tofu anrösten. Seitan und Tofu schmeckt eigentlich nach gar nichts. Genauso wie Fleisch. Es kommt auf die Würze an. Gut würzen und du wirst es lieben. Es gibt auch Tofu-Würstchen, Sonnenblumenhack (aus Sonnenblumenkernen) und viele andere Alternativen. Du kannst aber auch auf Hülsenfrüchte und Gemüse zurückgreifen. Beispielsweise kannst du dir eine Bolognese auf Linsen- oder Kichererbsenbasis machen.

Butter: Es gibt vegane Butter in vielen Varianten und dann natürlich noch Magarine. Vegane Butter schmeckt fast wie echte Butter. Finde ich sehr lecker!

Aufstriche: Es gibt mittlerweile in jedem Supermarkt vegane Aufstriche. Schau doch mal meinen großen veganen Aufstrich-Guide an. Selbermachen lohnt sich und macht echt Spaß!

 

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5 Comments

  • Reply Christine 29. September 2019 at 8:05 pm

    wow! Ein super und sehr gut recherchierter Artikel, der Mut mach für Veganismus einzustehen! Vielen Dank, dass du so klar Stellung dazu beziehst und AUgen öffnest!
    Liebe Grüße
    Christine

  • Reply Julia 26. September 2019 at 1:06 pm

    Wirklich ein interessanter Artikel. Danke hierfür.

    Ich frage mich nur:
    – ist es nicht besser Milch in der Glasflasche zu kaufen anstelle von Hafermilch im Tetrapack? Ich fand es sehr schlimm wie viel Plastikmüll ich während meiner vegangen Ernährung angesammelt habe. Ja man kann es selber herstellen aber wer schafft das im Alltag schon und ich finde auch die gekaufte Hafermilch schmeckt um welten besser 😉
    – offener Käse versus verpacketer Tofu in Plastik?

    Hast du hierzu verlässliche Quellen die eine Verpackungsproduktion gegenüber der Milchproduktion gegenüberstellen? Das würde mich sehr interessieren.
    Ganz lieben Dank!

  • Reply Verena Hirsch 25. September 2019 at 8:15 pm

    Wow, ganz toller Artikel, Justine! Herzlichen Dank für Deine Arbeit! LG Verena

  • Reply Anna 25. September 2019 at 3:53 pm

    Hallo Justine! Sehr toller Artikel! Hab ihn mal bei Facebook geteilt! Wir haben in Mittel- und Nordeuropa den Luxus uns darüber Gedanken zu machen, Dinge nicht zu konsumieren, auch wenn wir es ohne Ende könnten…ist schon manchmal komisch, da bei uns alles immer verfügbar ist, beschäftigen wir uns mit vegan/Minimalismus und Co. Es ist schon regelrecht pervers was die Industrienationen alles an Energie, Nahrung und Konsumgütern verplempern und den alten Kram verkloppen wir dann und schicken ihn in ärmere Länder. Ich hoffe nur, dass der Klimawandel weiterhin in aller Munde bleibt und jeder etwas tut und die Politik schnell Gesetze verabschiedet (plastikverbot, hohe Steuern für tierische Produkte, Förderung biolandwirtschaft…). Danke jedenfalls für deine Artikel hier, ich hoffe, sie werden fleißig gelesen!
    (PS: kommt mal soetwas wie eine roomtour?)

    LG Anna

  • Reply carlakatharina 24. September 2019 at 6:05 pm

    danke für diesen interessanten und wichtigen Beitrag! Ich ernähre mich bereits vegan und bin immer wieder geschockt, wie viele menschen noch denken, dass fleisch lebenswichtig ist… dabei ist es so simple und es gibt für praktisch alles pflanzliche alternativen. hoffe, dass dieser Artikel einigen die augen öffnet.

    liebe grüsse
    Carla

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